Von einer Heldentat ist zu berichten, die in den USA vollbracht wurde. Im Zentrum stand der 23-jährige Triumphator Ben Roethlisberger aus einer Emmentaler Auswandererfamilie. Er holte sich als Spielmacher mit dem Footballteam der Pittsburgh Steelers die Super Bowl, den begehrtesten Sportpokal im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Wo für junge katholische Innerschweizer mit Kampfesmut alle Wege nach Rom in die päpstliche Schweizergarde führen, wäre der Nachfahre der Bernbieter Protestanten eher in einem anderen, viel älteren römischen Bauwerk zu Hause: im Amphitheater. Denn im American Football stürzen die Athleten mit ihren Helmen wie Gladiatoren aufeinander los. Die massiven Meisterschaftsringe, die alle Spieler des Siegerteams erhalten, sehen zudem verdächtig nach Schlagringen aus.

Und die Namen der Mannschaften in dieser Liga tönen wie einst im Kolosseum, Roms Super-Bowl-Arena der Antike: Da gibts Löwen, Tiger, Panther, Jaguare, Adler, Falken und ähnliches Getier. Die Saints, die Heiligen aus New Orleans, machen die aggressive Geschichte auch nicht viel frommer und katholischer. Als Quarterback seiner Mannschaft ähnelt Roethlisberger dem Dompteur der wilden Meute, und er holte mit seinen bodenständigen «Stählernen» die Finalgegner, die Seeadler aus Seattle, vom Himmel der Siegesträume.

Der Mann hat zwar das Emmental nie gesehen, aber er weiss schweizerische Sportlerfähigkeiten trefflich zu nutzen: Er hat Kraft und Swing wie ein Hornusser, Präzision wie ein Kranzschütze und Standfestigkeit wie ein Schwingerkönig. Jetzt hat er als jüngster Quarterback aller Zeiten den Schlussgang des US-Football-Schwingfests gewonnen. Einer, der so kräftig um sich zu werfen weiss, die Bälle verteilt und sich dabei ständig brutaler Attacken erwehren muss, hätte durchaus das Zeug, hierzulande die bundesrätliche Feinstaubpolitik zu koordinieren.

In diesen Zeiten, da in den Sportteilen der Zeitungen nicht nur von olympischem Frieden, sondern auch von fussballbegleitenden Schlägereien in Istanbul und entsprechenden Sanktionen berichtet wird, könnten die Schweizer Fussballspieler einen Footballer wie Roethlisberger brauchen. Was da letzten November in den Katakomben des Istanbuler Stadions gekickt und gehackt wurde, das schaffen die US-Footballstars spielend – ohne unter dem Schutzhelm auch nur mit der Wimper zu zucken.

Seine Herkunft bescherte Roethlisberger übrigens noch einen weiteren, beinahe literarischen Rekord. Die statistiksüchtigen US-TV-Kommentatoren fanden heraus, dass noch nie ein Quarterback mit einem so langen Namen die Super Bowl gewonnen habe: 14 Buchstaben bringt Big Ben auf die Wortwaage! Und da sage einer, die Footballhünen seien Analphabeten.