Auf der Zürcher Sechseläutenwiese wurde geklotzt. Die Credit Suisse schenkte sich zu ihrem 150. Geburtstag einen Kunstevent: In einem gigantischen Container stellt die Grossbank eine Dokumentation zur Aktion «The Gates» der Verpackungskünstler Christo und Jeanne-Claude aus. «Gates» ist geil, sagte sich die CS und holte die Tore zumindest in riesigen, spektakulären Fotografien aus dem New Yorker Central Park auf die Zürcher Sechseläutenwiese. Die Riesenkiste, die für die Ausstellung hingezimmert wurde, macht zwar dem Namen ihres Standorts Bellevue keine Ehre. Aber drinnen wird die Aktion mit den 7’503 safrangelben, beinahe fünf Meter hohen Toren, die im Februar 2005 während 16 Tagen im Central Park standen, höchst anschaulich dargestellt.

Reichlich seltsam ist es aber schon, dass die Verpackungskünstler da so hermetisch eingewickelt wurden. Bisher stand der Name Christo für optische Freiluftaktionen, für die Verhüllung von bernischen Kunsthallen, römischen Stadtmauern, französischen Brücken und deutschen Reichstagen. Diese Kunst fand im Freien statt, verzückte die einen und entsetzte die anderen. Hier hingegen ist alles in einem derart hässlichen Kasten versteckt, dass man sich dringend wünschte, irgendein Neo-Christo würde das Ding gnädig verhüllen. Vielleicht mit dem Rest des safrangelben - oder doch orangen? - Stoffes der Gates aus New York. Im Mai wird sogar der Zirkus Knie auf dieser Wiese mit seiner Manegenverhüllung eher nach Christo aussehen als dieser Museumsblock.

Vermutlich ist es einfach die sprichwörtliche Diskretion der Schweizer Bankiers, die ihre Schätze allzu neugierigen Blicken zu entziehen pflegt. Der Eintritt in die Christo-Kiste ist zwar - Bank sei Dank - frei, aber strengstens limitiert. Und die gratis ausgehändigten Tickets «verlieren ihre Gültigkeit nach Ablauf des definierten Zeitraums. Jedes Ticket ist einmalig und kann bei der elektronischen Eingangskontrolle nur ein Mal eingelesen werden.» Die Einmaligkeit des Ereignisses bekommt man hier schriftlich.

Auf der Sechseläutenwiese allerdings hätte es viel bessere Möglichkeiten gegeben, Christos Werk zu dokumentieren. In wenigen Wochen ist Sechseläuten. Wie gerne hätten wir die Zünfter - bestimmt mit starker CS-Beteiligung - durch safrangelbe Tore galoppieren sehen. Und ein Christo-verhüllter Böögg hätte seinen Kopf bestimmt unter weltweiter Beachtung verloren. Diese Figur repräsentiert schliesslich Actionkunst, die Jahrhunderte älter ist als der Begriff selbst. Das Kunstwerk wird hier in einem öffentlichen Ritual abgefackelt: ein starkes Symbol für die Vergänglichkeit menschlichen Schaffens. Auch wenn öffentliche Subventionen oder Bankensponsoring für eine derart destruktive Kulturveranstaltung heutzutage bestimmt gestrichen würden.

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