Der Weltrekord ist im Kasten. Der grösste Töggelikasten der Welt stand für kurze Zeit in Aarau. Nicht weniger als 668 Tischfussballfans konnten an dieser Riesenkiste gleichzeitig die Töggeli tanzen lassen.

Ein sehr schweizerischer Weltrekord. Wir sind zwar klein, aber im Kleinen sind wir gerne gross. Wenn schon Tischfussball, dann wenigstens an einem 101 Meter langen und 30 Tonnen schweren, eigens für diesen Anlass gebauten Tisch – mit zwei Toren an den beiden Enden und dazwischen reichlich Mittelmass, pardon Mittelfeld. Die Aargauer haben den Zürchern mit dieser Riesenkiste demonstriert, wie Stadionprobleme gelöst werden können: Die Arena wird nach dem Spiel wieder abgebaut, und alle sind zufrieden. Der «richtige» Schweizer Fussball hat sich in letzter Zeit ja auch vornehmlich an runden, grünen und Richtertischen abgespielt.

Der Aarauer Weltrekord dürfte unser Sportministerium doppelt freuen, denn es ist ja auch unser Militärministerium, und bei diesem Sport stehen – oder besser hängen – die Figuren militärisch stramm in Reih und Glied. Beim Töggele oder Jöggele sind die drinnen die Töggel, mit denen man den Joggel macht. Sie hängen am Gestänge und können nicht raus aus dem Kasten. Damit die an den Schalthebeln ihren Spass haben.

Der Kasten ist auch ein spektakuläres Symbol für schweizerische Entscheidungsfindung. Erst wird alles auf den langen Tisch geschoben, dann stehen Dutzende von Beinen im Weg, und wenn die Sache endlich einen Kick weiter ist, gehts gleich wieder in die Gegenrichtung. Kein Wunder, mussten beim Aarauer Rekordtöggelen nicht weniger als 20 Bälle gleichzeitig eingesetzt werden, damit auch mal Tore fielen.

Diese Zahl von Bällen erinnert an den Uraltwitz aller Fussballmuffel, man solle jedem der 22 Spieler einen eigenen Ball geben, damit sie sich nicht um den einen streiten müssten. Auf den Schweizer Politikbetrieb übertragen: pro Volksvertreterin (Männer sind natürlich mitgemeint) und pro Session eine Motion, dann könnte man sich Debatten und Kompromisse sparen.

Jetzt braucht der Aarauer Töggelirekord noch den Segen der Guinnessbuch-Redaktion. Das Standardwerk der Rekorde war ja von Anfang an eine Bieridee. Die Bierbrauerei Guinness in Dublin brachte das Buch ursprünglich auf den Markt, um hitzige Streitereien in den Pubs um irgendwelche Rekorde sachgerecht zu entscheiden. Seither verrenken sich an Stammtischen in aller Welt die Leute ihre bierumnebelten Gehirne nach spleenigen Ideen, um in diesem Werk zu landen.

Das Buch ist heute ausserhalb Irlands bekannter als das Bier, dem es seinen Namen verdankt, und verzeichnet Rekordverkäufe. Ein Fall für die Guinness World Records. Und dank den Aarauern sind wir Schweizer dort mit einer neuen internationalen Spitzenleistung dabei. Auch echte Weltmeister haben klein angefangen.

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