Das ging aber schnell: Vor einem Monat erst hat der Kanton Schwyz ein neues Steuergesetz angenommen, mit dem er den Grossaktionären auf seinem Kantonsgebiet ein paar weitere Riesenschritte entgegenkommt. Und schon hat der im Kanton Schwyz residierende einstige Börsenstar Martin Ebner angekündigt, was er mit einem Teil des Geldes tun wird, das er dank diesem neuen Steuergesetz einspart: Er kauft sich seine eigene Fluglinie, die Helvetic Airways.

Vor dem Absturz seines Imperiums vor wenigen Jahren hatte Ebner sich offenbar noch rechtzeitig ein goldenes Fallschirmrucksäckli gepackt. Und genug Bargeld hineingesteckt, um sich jetzt mit der Helvetic wieder flügge zu machen. Die beiden Helvetic-Gründungsaktionäre Peter Blum und Peter Pfister bleiben übrigens an Bord. Wenn das mit dem doppelten Peter-Prinzip nur gut geht. Der Martin von Freienbach war bisher nicht bekannt dafür, dass er leichtfertig seinen Mantel mit anderen teilt.

Patinex heisst Ebners Beteiligungsfirma, die die Helvetic übernimmt. Der Name erinnert an Altertümliches, das Patina angesetzt hat, und an Patin, das französische Wort für Schlittschuh. Wagt sich Ebner mit seinen altershalber erbleichten Schlittschuhen wieder aufs Glatteis? So elegant gesprungene Höhenflüge mit sicherer Landung wie der Stéphane Lambiel kriegen nicht alle hin. Manche landen dabei auf dem Hintern. Aber Noten von fremden Kampfrichtern wie zum Beispiel neugierigen Wirtschaftsjournalisten haben den geheimnisvollen Investor Ebner noch nie interessiert.

Mit seinem neuen Unternehmen bekennt der diskrete Martin Ebner Farbe. Magenta nennen die Fachleute den Farbton der Helvetic-Flugzeuge. Für uns Normalmenschen ist das eine Art Rosarot. Und Experten der Airlinebranche sind der Ansicht, wer von der bisher stets rote Zahlen schreibenden Helvetic in absehbarer Zeit bessere Resultate erwarte, trage in der Tat eine rosa Brille.

«In der Schweiz soll die Transparenz der Konsumenten bei Flugreisen verbessert werden», war in der Zeitung zu lesen – am gleichen Tag wie die Nachricht von Ebners Fluglinienfischzug. Gemeint war wohl Transparenz für die Konsumenten, aber den gläsernen Kunden wünschen sich ja alle neugierigen Unternehmer. Da werden die Helvetic-Flugbegleiterinnen der transparenten Klientel auf dem Flug nach Süden hoch über den Alpen wohl ein paar zollfreie Aktien aus Ebners Sortiment andrehen. In früheren Jahren wollte der heutige Neoflugunternehmer ja alle Schweizer Kleinsparer zu stolzen Aktionären machen, und einige von ihnen haben den Absturz der Papiere finanziell weniger gut überlebt als der rührige Aktienprophet. Er könnte ihnen jetzt ein paar Helvetic-Aktien schenken. Rosarote Zahlen sind immerhin besser als rote.

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