Wir schauen mal wieder in die Röhre. Alles wird noch viel teurer. Die beiden Neat-Löcher durch den Gotthard und den Lötschberg schlucken mehr Milliarden als geplant. Der Budgetposten für Unvorhergesehenes macht seinem Namen alle Ehre und schwindet viel schneller als vorgesehen.

Irgendwie erinnern mich die eidgenössischen Budgetverwalter an uns gewöhnliche private Finanzplaner: Auch wir nehmen uns immer wieder vor, ganz genau zu budgetieren, um unsere Ausgaben in den Griff zu bekommen. Und dann kriegt doch wieder sonst jemand unsere Finanzen in den Griff - die Steuerverwaltung beispielsweise oder andere Gläubiger, die glauben, uns Rechnungen schicken zu müssen. Und weit und breit ist kein Nachtragskredit in Sicht.

Bei der Neat lauerte das Schicksal tief drinnen im Berg: Plötzlich schlug die Geologie zu, kamen im Gestein verwerfliche Verwerfungen ans Tageslicht, beziehungsweise vor die Scheinwerfer der Bohrkolonnen. Die Geologen logen, denken wissenschaftliche Laien und stellen mit Entsetzen fest, dass sich die Natur skandalöserweise weigert, sich an unsere wissenschaftlichen Berechnungen zu halten.

Für Leute, die alt genug sind, sich ans Furkaloch zu erinnern, ist das alles keine grosse Überraschung. Um das Projekt kümmerte sich damals der Bundesrat Roger Bonvin aus dem Wallis am einen Ende des Tunnels, und seine Leute verrechneten sich ebenfalls um ein stattliches staatliches Sümmchen. Und auch bei früheren Löchern durch den Gotthard - beim Autobahntunnel aus dem letzten Jahrhundert und beim Bahntunnel aus dem vorletzten - kamen geologisch Unbekanntes und budgettechnisch Ungeahntes zum Vorschein. Im Resten nichts Neues.

Diesmal sollen Max und Moritz schuld sein. Direktor Max Friedli im Bundesamt für Verkehr und sein Chef, Bundesrat Moritz Leuenberger, hätten die Baukonsortien zu wenig genau überwacht, wird kritisiert. Vor allem von Leuten, die ziemlich sauer sind, dass sie nicht gleich noch ein viertes Loch unter der Teufelsschlucht hindurchgraben können. Die bekamen zwar per Volksentscheid das Lastermaul gestopft, doch die Gotthard-Retourkutscher der SVP zahlen prompt mit Benzin-Rappenspalterei zurück.

In diesen internationalen Zeiten, da Deutsch- und Westschweizer sich immer öfter in der Universalsprache Englisch unterhalten, hätte vielleicht mal jemand nachschauen sollen, was denn das englische Wort «neat» eigentlich auf Deutsch übersetzt heisst. «Reinlich, ordentlich, sauber, niedlich, nett, rein» steht dazu im Wörterbuch. Echt schweizerische Eigenschaften also, wir sind beruhigt. Dann liefert der Dictionnaire allerdings noch eine zweite Bedeutung nach: «Rind, Ochse, Rindvieh». Da haben wirs: Wir sind mal wieder die Rindviecher und stehen zwei Monate nach Weihnachten wie Ochs und Esel am Leuenberg. Und kein Wort von einem Erlöser.