Die Fasnacht ging in die Luft. Die Walliser Guggenmusik «Belalphäxe» hat sich für ihren jüngsten Auftritt einen reichlich extravaganten Ort ausgesucht. Die Guggumüsig, wie das im Oberwallis heisst, tat sich mit Gleitschirmfliegern zusammen, und 25 Musiker wagten einen simultanen Tandemflug. Sie schwebten mit Trompeten und Tambour, mit Pauken und Posaunen von der Fiescheralp zu Tal und spielten dabei «Quando, quando». «Wann werden wir endlich berühmt?», war damit offenbar gemeint.

Mit dieser Aktion wollen die «Belalphäxe» ins Guinness-Buch der Rekorde. Dort gehören sie auch hin. Guinness ist schliesslich in erster Linie eine Biermarke, und unter den vielen Bierideen gehört jene der Walliser bestimmt in die abgehobeneren Luftschichten. Allerdings hätten wir von echten Hexen eher traditionellere Fluggeräte wie etwa einen Besen erwartet. Aber im Wallis segelt eben alles etwas anders.

In den hehren Bergen rund ums Gotthardmassiv gibts in diesen Tagen verschiedene schlagzeilenträchtige Projekte zu beobachten. In Andermatt beispielsweise, von Fiesch nur durch den Furkapass getrennt, will ein ägyptischer Investor ein Golf-Mekka mitten in die Alpen hineinsetzen. Wenn er kein Minarett am Loch 18 plant, wird wohl nicht einmal die SVP etwas dagegen haben. So könnten die Bergbauern neben dem Winter-Temporärjob als Skiliftbügelhalter auch im Sommer als Greenkeeper den Unter- und Ausländern den Dreck machen.

Und bald findet die nächste Session unseres nationalen Parlaments jenseits des Oberalppasses in Flims Laax Falera statt. Dieses Gebiet gilt im Winter als Weisse Arena. Da werden sich unsere Arena-gestählten Parlamentarier und Parlamentarierinnen wie zu Hause fühlen. Und wenn sie sich dann auf dem festen Boden und in den Hotels langweilen sollten, könnten sie sich nach dem Vorbild der «Belalphäxe» zwischendurch gemeinsam mit dem Gleitschirm in die Lüfte schwingen und die Schwindelfreiheit üben. Völlig frei vom Schwindeln – das allerdings wäre doch etwas viel verlangt von echten Karriereparlamentariern.

Aber durch dünne Luft zu schweben und vorübergehend den Boden unter den Füssen zu verlieren, wie das die Gleitschirmpiloten tun, das passiert den Volksvertretern ja mit einiger Regelmässigkeit. Man könnte zwar glauben, dass man in der Höhe einen echten Überblick gewinnen könnte, doch die parlamentarischen Beratungen lassen vehement daran zweifeln. Dass dort oben viel Lärm gemacht wird, der niemanden wirklich interessiert, ist eine weitere Parallele zu den Walliser Guggenmusikern. Die waren nach wenigen Minuten aber wieder auf festem Boden. Davon können wir mit unserem Parlament nur träumen.

Quelle: Oliver Maire