Fussball war letzte Woche Trumpf in der Schweiz – ganz besonders in Zürich: Mit einem echten Knalleffekt, wie unser Bild zeigt, startete man zum Umbau des Letzigrund-Stadions für die Europameisterschaft im Jahr 2008. Tags darauf qualifizierten sich die Schweizer Fussballer für die Weltmeisterschaft 2006, und dies bescherte den feiernden Fans an der Zürcher Langstrasse sogar einen Auftritt in den «Tagesthemen» des Ersten Deutschen Fernsehens.

In den nächsten Jahren finden nämlich die grössten internationalen Fussballturniere im deutschsprachigen Raum statt: 2006 die Weltmeisterschaft in Deutschland, und zwei Jahre später dürfen die beiden Kleinen, Österreich und die Schweiz, gemeinsam die Europameisterschaft organisieren. Und weil die Zürcher auch dabei sein wollen, bauen sie jetzt – als letzte nach Basel, Genf und Bern, dafür in Rekordzeit – ein europataugliches Stadion.

Im Trio rückte die Vertretung der Zürcher Stadtregierung zum Baustart an. Auf dem Bild steht – von den Exekutivleuten her gesehen – FDP-Baudirektorin Kathrin Martelli ganz rechts, SP-Stadtpräsident Elmar Ledergerber ganz links. Von uns interessiert Zuschauenden her sieht das genau umgekehrt aus. Es ist alles eine Frage der Perspektive, auch wenn Perspektiven in der Politik momentan nicht gerade im Schwange sind. In der Mitte steht Schul- und Sportdirektorin Monika Weber. Sie ist parteilos oder «parteifrei», wie es auf der Website der Stadt Zürich heisst – in der Fussballsprache also die Unparteiische.

Baudirektorin Kathrin Martelli hat die Hand am Drücker. Sie gilt als die Frau, die den Stadionbau in Zürich doch noch auf den Weg zur Euro 2008 gebracht hat. Stadtpräsident Ledergerber hat den Spaten vor sich, aber er hütet sich, ihn anzupacken. Bauen werden wohl eher Leute mit ausländischen Namen. Die haben schliesslich auch unseren nationalen Fussball wieder ins internationale Geschäft gebracht. Und die Unparteiische Monika Weber in der Mitte hält sich die Ohren zu, obwohl die Gerechtigkeit eigentlich die Augen verschliessen sollte.

Martelli jagt ihren Startschuss als Hochbaudirektorin demonstrativ in die Höhe. In Sachen Stadionbau wurde ja in Zürich in den letzten Jahren allseits eher aus der Hüfte und in den sprichwörtlichen Fuss geschossen. Statt mit dem Fuss. Denn eigentlich hätte das Hardturmstadion für die Europameisterschaft neu gebaut werden sollen. Dort wollte man allerdings etwas gar hoch hinaus und plante, die ganze Umgebung in den Schatten zu stellen. Das gab mächtig Streit mit den Nachbarn. Deshalb gräbt man sich beim Letzigrund tief in den Boden. Grübeln liegt den Deutschschweizern besser als Abheben. Vielleicht finden sie in der Baugrube einen vergrabenen Schatz, der uns die teure EM finanziert.