Die Einsiedelei braucht Geld. Das prachtvolle Kloster Einsiedeln steckt in Finanznöten. Jetzt soll Rainer E. Gut als wirtschaftlicher Beirat mehr Kohle in die Abtei fliessen lassen. Der pensionierte Manager und Drahtzieher der Schweizer Wirtschaft will für den Ort der Stille Lärm machen, damit es dort nicht noch stiller wird. Schwarze Zahlen schafft die schwarze Madonna nicht allein.

Da passt der Gutmensch von der Zürcher Bahnhofstrasse bestens. Eine Wallfahrt mit Nutzwert würde dem abtretenden Nestlé-Verwaltungsratspräsidenten nicht schaden. So könnte er für die Flops mit der nationalen Airline und dem Grasshopper-Club Busse tun. In seinem feinmaschig gesponnenen Netzwerk dürften etliche Batzen fürs Kloster hängen bleiben.

In diesen unfrommen Zeiten aber, da vor allem über die Trennung von Kirche und Staat diskutiert wird, passt eine solche Heirat zwischen Kirche und Wirtschaft nicht allen. Für viele sind schon die bestehenden Souvenirshops und Touristenfallen im Klosterdorf zu viel. Der Jesus aus der Bibel jedenfalls würde die Händler auf dem Klosterplatz resolut aus dem Tempel vertreiben.

Aber da gibts viele andere Möglichkeiten im und ums Kloster, die man einer gut betuchten Klientel anbieten kann. Die Abtei besitzt ein berühmtes Gestüt, reichlich Land für Golfplätze und voralpines Gelände, in das die geländegängigen Privatpanzer der ewig jungen Managerpartnerinnen viel besser passen als in die wohlbetonierten Städte. Wers kulturell mag, findet eine grossartige Bibliothek, ein weltberühmtes Musikarchiv und die Klosterkirche als reich dekorierten Konzertsaal.

Dazu gibts eine lauschige Insel – zwar nicht in der Karibik, aber immerhin die Ufenau im Zürichsee, die von Conrad Ferdinand Meyer mit «Huttens letzte Tage» in der Weltliteratur verankert wurde. Und die der lokale Pfarrer laut Meyer dem deutschen Revoluzzer Hutten mit den Worten anpries: «Ihr schlürfet Bergluft ein als Arzenei/Und schauet auf den hellsten See der Schweiz,/Blickt aus! Er ist nicht ohne Augenreiz./Macht’s Euch bequem! Hier werdet Ihr gesund!» Nun gut, das war vor 480 Jahren, aber für ein wenig Erholung reichts allemal noch.

Als Kraftort am Jakobsweg, dem Pilgerpfad nach Santiago de Compostela, bietet Einsiedeln Ersatz für jedes Fitnesszentrum. In der Klosterkellerei haben Guts Reiche und Schöne wertvolle Erfahrungen beizusteuern. Und dass die Abtei ihre Buchhaltung geheim hält, kommt den Champions des Bankgeheimnisses bestimmt entgegen.

Das Welttheater auf dem Klosterplatz schliesslich könnte auch in der weiten Welt draussen für die Marke Einsiedeln werben. Davos macht das mit seinem Weltwirtschaftstheater ja trefflich vor.