Die Patrouille Suisse erfreute mit ihren luftigen Kunststücken an den Heerestagen in Thun Zehntausende von Luftwaffenfans und offensichtlich auch den VBS-Chef Samuel Schmid und seine uniformierten Gäste.

Schmids Kritiker in seiner eigenen Partei werden beunruhigt sein: Das sind ziemlich ausländische Uniformen, die wir da im Hintergrund sehen. Arbeitet der Verteidigungsminister mit fremden Armeen zusammen? Und plant er gar Auslandseinsätze der Patrouille Suisse? Die Sonnenbrille des Offiziers, der seinen Kopf auf die Schmidsche Schulter zu legen scheint, lässt die Skeptiker und Verschwörungstheoretiker in der Super-Verteidigungs-Partei SVP bestimmt an dunkle Geheimdienstler denken.

Aber Samuel Schmid braucht gegenwärtig alle Unterstützung, die er kriegen kann. Seine Armeereform wurde im Parlament von einer «unheiligen Allianz» aus SVP und SP gebodigt - na ja, die heiligen Kriege sollten zumindest in Europa beendet sein. Auch das Rüstungsprogramm hat er erst durch die Nationalratskommission, aber noch lange nicht durchs Parlament gebracht.

«Hebe deine Augen auf zu den Bergen, von welchen dir Hilfe kommt», mag der Bundesrat darum beim Blick nach oben in die Berge rund um den Thunersee gedacht haben. Allerdings gehört dieser Mendelssohn-Titel nicht gerade zum Standardprogramm der Armeemusiker. Aber es ging trotzdem ganz harmonisch zu an den Thuner Heerestagen - benannt nach dem Cheforganisator Brigadier Fred Heer, Herr der hehren Heer- und Wehrschau.

Die älteren Semester im Publikum, so war zu vernehmen, liessen sich vor allem von Panzern, Waffen und Kavalleriepferden faszinieren, von der Hardware gewissermassen. Die jüngeren Jahrgänge dagegen fühlten sich mehr zur Software hingezogen, zu den Steuersystemen mit viel moderner Elektronik. Dass die heutige Jugend zu soft, zu weich sei und immer nur an den Computern herumhocke, hat die ältere Generation schon früher moniert.

Aber angesichts der modernen Kriegsführung, wie die US-Army sie uns während der Irak-Invasion vorgeführt hat, dienen sogar die Computer der Wehrertüchtigung. Vielleicht wäre das die Lösung für Samuel Schmid: das virtuelle Rüstungsprogramm. Einst hiess dies «Schwerter zu Pflugscharen», heute «Panzer zu Computern». Die Rekruten erledigen ihren Verteidigungsauftrag vom heimischen PC aus. Und die Steuerzahler sparen Milliarden.

Wenn man allerdings hört, was es in den neuen PC-Kriegsspielen so alles an Brutalitäten zu kaufen gibt, dann wünschte man sich fast, die Kids würden auf echten Panzern herumturnen statt auf ihren Gamekonsolen.

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