Also, was ist jetzt eigentlich? Da rechnen uns der britische Wetterdienst, ein deutscher Klimatologe und ein Berner Geograf vor, wir dürften uns auf einen warmen Sommer freuen. Und dann kommt ausgerechnet Jörg Kachelmann, der Herr der Blumenkohlwolken, und geht mit Blitz, Donner und Hagel auf die Kollegen los. Mit geradezu sokratischer Bescheidenheit redet er seiner Branche ins Gewissen: «Meteorologen wissen bei dieser Art von Prognosen einzig, dass sie nichts wissen.»

Für dieses Nichtwissen finden die Wetterkundigen in den Medien allerdings reichlich viele Worte. Da sind einmal die offiziellen Propheten von Meteo Schweiz, dem Institut, das eben zarte 125 Jahre alt geworden ist und unter seinem Originalnamen Meteorologische Zentralanstalt früher ein allmittäglicher Zungenbrecher der schweizerischen Nachrichtensprecher war. Ausserdem versuchen sich allerlei private Propheten in privaten Radio- und Fernsehsendern im Vorausschauen.

Aber die besten Wetterfrösche sind natürlich unsere Schweizer-Fernsehen-Wettermannen und -frauen. Jeden Abend steigen sie hinauf aufs Dach des Fernsehhochhauses, um an den Bildschirmen zu verkünden, wann es Zeit für Regenschirme ist. Doch wenn die These stimmt, dass kletternde Frösche gutes Wetter versprechen, dann müssten die unermüdlichen SF-Turmwächter eigentlich für das weltweit beste Klima sorgen.

Und schliesslich gibts auch noch die Muotataler Wetterschmöcker, die Bio-Version der Meteorologen. Die allerdings prophezeien uns einen ungemütlichen Sommer. Und wir stehen mal wieder im Regen und müssen uns unseren eigenen Reim auf die Prophezeiungen all dieser Experten machen.

In anderen Fachgebieten ist das nicht anders. Da gibt es etwa die Wirtschaftsprofessoren, die ihre Konjunkturprognosen schneller wechseln als andere Leute ihr Handymodell und sich dabei gegenseitig munter widersprechen. Oder die Politologen, die uns hinterher zu erklären versuchen, warum sie sich vorher getäuscht haben und warum auch die Kollegen im Unrecht sind.

Doch beim Wetter sind die Expertenstreitereien bei weitem am volkstümlichsten. Wir erinnern uns jedenfalls mit Vergnügen an die Meteorologen-Fights in vergangenen kalten Wintern, als die konkurrierenden Institute fast jeden Tag neue Kälterekorde massen. Die fleissigen Rekordjäger suchten immer wieder unverdrossen nach besonders kälteträchtigen Mulden auf abgelegenen Alpen, um sich in die Schlagzeilen zu bringen. Denn nur so gibts Geld für weitere kühne Prophezeiungen.

Also stochern sie alle, vom Wetterwart am Zürichberg bis zum Wetterfrosch im Muotatal, weiter fröhlich im Nebel herum. Dem Himmel sei Dank, macht das Wetter trotzdem, was es will.