Der doppelte Kästner: sechs Männer im Schnee. Am 10. «Gletscherkuss» in Flims Laax Falera, einem Schlittenrennen der klamaukigen Art, hatte der Bundesrat einen seiner seltenen gemeinsamen Auftritte. Und hinterliess, was noch viel seltener ist, einen recht geschlossenen Eindruck. Die sechs Herren machten gemeinsam Front gegen die kalte Umwelt.

Die Bundesräte traten im Bündnerland als Anhängsel des Schlittens Neu Helvetia auf. Vorne auf dem Schlitten aus Fideris sassen vier Bündnerinnen aus Fleisch und Blut samt einer künstlichen, kunstvoll gefertigten Micheline Calmy-Rey. Sie schleppten unsere Landesregierung durch den Schnee auf den dritten Rang des «Gletscherkuss»-Wettbewerbs. Bewertet wurden die Kategorien Originalität, Bastelaufwand, Fahrzeugbeherrschung und Zeit. Ausser dem Bastelaufwand begegnet man diesen Begriffen im politischen Alltag eher selten.

Die Papperlapappkameraden aus Bundesbern wirkten oben in der Alpenarena noch etwas hölzerner als in natura und zwischen den hohen Bergen einigermassen flach. Das Fähnlein der sechs stocksteif Aufrechten gab das Holz gewordene Kollegialitätsprinzip, mit dem gegenwärtig allerdings recht wenig Bundesstaat zu machen ist. Es besteht allgemeine Ausrutschgefahr.

Madame Calmy-Rey, toute calme, zog diesen Cirque Reyale und legte als weltgewandte Aussenministerin für ihre Kollegen die Spur. In der Bundespolitik sind es in der Regel ja eher die sechs hinten, die mit uns Schlitten fahren. Und rundherum stand das Stimmvolk im Schnee und kriegte wieder mal nasse Füsse, triefende Nasen und tränende Augen. Selten war Holz so unheimelig.

Man gönnt diesem Sixpack mit Steuerfrau den Ausflug in die Weisse Arena. In Bern sitzen sie ja üblicherweise in einer eher grauen Arena, in der man heute zudem meistens schwarz sieht. Und in der fernsehfarbigen Arena zu Leutschenbach gibt es am Freitagabend jeweils auch nicht wirklich viel zu lachen.

Das Bild zeigt uns ausserdem einige vielversprechende Zukunftsideen für unsere Tourismusindustrie. Wenn Bundesrat Blocher den Touristikern nur noch einen einzigen Franken für die Promotion zugestehen will, dann darf er persönlich für diese Münze den ersten Schneeball auf die Holzfiguren werfen. Und alle, die den Magistraten schon lange mal ein wenig Schnee um die Ohren hauen wollten, bezahlen ebenfalls einen Franken. Das gibt ein mächtiges Bombardement und einen rechten Batzen. Wenn die Bretterwand kippen sollte, kann man sie immer noch als Snowboard benutzen.

Am «Gletscherkuss» waren unter den 22 Teamverantwortlichen nur gerade drei Frauen. Das Verhältnis der Geschlechter betrug also bei dieser allgemeinen Rutschpartie fast genau eins zu sechs – wie im Bundesrat. Die Teams mit einer Frau an der Spitze fuhren übrigens alle in die erste Hälfte der Rangliste.

Quelle: Gaudenz Danuser