Schriftsteller Adolf Muschg und Kulturminister Pascal Couchepin sprachen im Theaterhaus Gessnerallee in Zürich an einer Tagung mit dem Titel «Staatskultur oder Kunstfreiheit», zu der die freisinnige und die liberale Partei der Schweiz gemeinsam geladen hatten.

Der französische Schriftsteller Stendhal beschrieb einst «Le rouge et le noir», wir sehen hier «Le blanc et le gris». Den Hofnarren, wie Muschg selbst die Kulturschaffenden bezeichnete, mit dem Roi Soleil, der vom langen Kronetragen bereits eine kleine Tonsur spazieren führt.

Kultur ist Trumpf. Zumindest das Reden darüber. Die «NZZ am Sonntag» druckte die Rede des Politikers, der «Tages-Anzeiger» des Schriftstellers Gedanken. Man staunt, wie unterschiedlich die Beteiligten über Kultur sprechen und wie flexibel der Kulturminister argumentiert. Den «nationalen Leuchttürmen», also den grossen Kulturinstitutionen wie Opernhaus Zürich oder KKL Luzern, will er die im Kulturförderungsgesetz vorgesehenen 30 Millionen Franken streichen, weil nicht die Politik zu entscheiden habe, welche Kultur im gesamtschweizerischen Interesse sei. Künstlerische Freiheit beim Sparen.

«Was für unsere Gesellschaft bedenklich ist, sind nicht die so genannten Skandalkünstler oder -autoren, sondern diejenigen, die die liberale Gesellschaft durch Zensur oder Ausgrenzung in Frage stellen wollen», sagte der Kulturminister ebenfalls. Vergessen schien der böse Westschweizer Film, der Couchepins Namen verhunzt und damit seinen heiligen Zorn geweckt hatte. Die Kommission, die wegen dieser Provokation in des Kulturministers Auftrag die eidgenössische Filmförderung untersuchte, fand dort zwar keine Verfehlungen. Aber als das Gremium seinen Bericht publizierte, hatte der wackere Schütze aus dem Wallis seinen obersten Kulturbeamten, David Streiff, mit einem gezielten Streiff-Schuss bereits erlegt.

Die Kulturpolitiker auf unserem Bild müssen keinen Rückenschuss befürchten. Schriftsteller Muschg erhebt mahnend den Zeigefinger, und zwar den linken, Kulturminister Couchepin reckt seinen – ebenfalls linken – Daumen, wie ein Autostopper, der vom Dichter auf die wilde Fahrt durch die Kulturszene mitgenommen werden will.

Im Interview mit dem Berner «Bund» definierte der Roi de la culture sein Kulturverständnis am Beispiel der im Ständerat ausführlich rezensierten Pariser Hirschhorn-Ausstellung so: «Das ist, wie wenn man ein Auto falsch parkiert. Die Bürger sagen: ‹Das geht doch nicht! Diese Unordnung!› Hirschhorn hat die Werte in Unordnung gebracht. Das ist noch viel schlimmer als beim Verkehr.» Der Autostopper spielt Verkehrspolizist, und der Nachtwächterstaat wird zum Parkwächterstaat.