Sie kamen aus allen Himmelsrichtungen angedüst, die Fans der Jets und Nostalgieflieger. 275'000 Menschen in 76'000 Autos und vielen überfüllten Zügen strömten auf dem Landweg in die Broye-Ebene, um den Helden der Luftfahrt zuzujubeln. Am Flugmeeting Air 04 in Payerne liess sich das Publikum freiwillig und ohne jeden Protest Fluglärm der extremen Art um die Ohren hauen. Und dürfte sich in den Staus bei der Zu- und Wegfahrt sehnlichst die Flügel der Ausstellungsobjekte gewünscht haben.

Höhepunkt der Flugschau war die gemeinsame Demonstration der legendären, dieses Jahr 40 Jahre alt gewordenen Patrouille Suisse mit ihren Kollegen aus Grossbritannien, Schweden, Spanien und Italien. 41 Jets im Formationsflug nahmen den Zuschauern den Atem und liessen dabei jede Menge farbigen Rauch hinter sich. Die habens gut, die Akrobatikpiloten. Sie sind weltweit die Einzigen, die fürs Rauchen auch noch bejubelt werden.

Dabei haben die im VBS doch gar kein Geld für so viel Rauch. Die müssen sparen wie blöd und wollen sogar Militärflugplätze schliessen. Und plötzlich lesen wir mit einigem Staunen, wie sich Leute aus der Süd- und Ostanflug-geplagten Region Dübendorf bei Zürich für ihren Flugplatz und seine donnernden Kampfjets wehren. Militärischer Fluglärm stört offenbar weniger als ziviler.

Erich von Däniken hat uns doch in Interlaken gezeigt, wie man ausgemusterte Militärflugplätze erfolgreich umnutzt. Er hat dort seinen Mystery Park eingerichtet, eine Landebahn für Ausserirdische gewissermassen, und hat damit schon ziemlich viel Irdische angelockt. Auf dem ebenfalls von der Schliessung gefährdeten Flugplatz Emmen könnte die rührige Käsefirma Emmi einen Cheese Park oder in Dübendorf die Fifa einen Soccer Park finanzieren. So käme Zürich sogar zu einem neuen Fussballstadion mit bereits lärmerprobten Anwohnern. Für alle Fälle hat Nationalrat Ulrich Giezendanner noch seine Idee von Formel-1-Autorennen in der Hinterhand. Die böten auch Gewähr, dass mindestens so viel Sprit in die Luft geblasen würde wie auf einem Militärflugplatz.

Doch es tobt noch ein anderer Luftkampf am Schweizer Himmel. Das VBS will zwar Flugplätze schliessen, aber auch neue Kampfjets beschaffen. Um diesen Auftrag kämpfen vier Flugzeughersteller aus dem Ausland, und für sie fahren die bekanntesten Schweizer PR-Agenturen schweres Propagandageschütz auf. Sie müssen uns den Nachfolger für frühere Flugzeugtypen mit so schönen

Namen wie Vampire (Blutsauger), Venom (Gift) und Mirage (Hirngespinst) schmackhaft machen. Damals, bei der Beschaffung dieses Hirngespinsts, entfachte Verteidigungsminister Chaudet une querelle chaude mitten in der guerre froide – wegen der Finanzierung. Wenn das Budget für die neuen Maschinen so überzogen wird wie einst für die Mirage, werden noch ein paar weitere Militärbetriebe dichtmachen müssen. Und die Patrouille Suisse wird man fürs nächste Flugmeeting wohl outsourcen.

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