Die Schweiz blickt auf die Welt, und die Welt blickt auf die Schweiz. Unser Bundespräsident scheute keinen Aufwand, um den indischen Staatspräsidenten A. P. J. Abdul Kalam richtig ins Bild zu bekommen. Wir wären gespannt, die Fotografie zu sehen, die Samuel Schmid von seinem Gast verfertigt hat, denn ein wenig schief, mit Verlaub, Herr Bundespräsident, scheint Ihre Haltung bei diesem Schnappschuss doch gewesen zu sein.

Unser hoher Magistrat fühlte sich auf dem Brienzerseeschiff offenbar ein wenig wie in seinem häuslichen Flugsimulator und legte sich entsprechend in die Kurve. Es stellt sich ja ohnehin die Frage, warum unser Bundespräsident zu Hause einen Flugsimulator braucht. Um den Umgang mit dem Absturz gouvernementaler Projekte einzuüben? Oder um die diffizile Balance zwischen den verschiedenen Flügeln der eigenen Partei zu trainieren? Dem «Tages-Anzeiger» hat Samuel Schmid verraten, es interessiere ihn dabei «nur die Physik: Geschwindigkeit, Anstellwinkel, Gewicht – all die Elemente, um sich in der Luft zu positionieren».

Und prompt ging es beim Besuch des höchsten Inders eher um Physik als um Politik: Der Mann ist ja von Haus aus Raketentechniker und besuchte deshalb mit grösstem Interesse unsere beiden technischen Hochschulen und das einstige Berner Wohnhaus des Physikgenies Albert Einstein. Damals importierten wir die wissenschaftlichen Spitzenkräfte aus Deutschland, heute, so hören wir, zunehmend auch aus Indiens Programmiererschulen. Offensichtlich braucht die Schweiz da Entwicklungshilfe.

«Es herzigs Mandli», hörte die Reporterin von «Der Bund» einen Zuschauer sagen. In der Tat wirkte der höchste Mann der grössten Demokratie der Welt eher unscheinbar. Den «Vater des indischen Atomprogramms» hätte man sich etwas stattlicher vorgestellt. Aber die Atome sind halt wirklich ausgesprochen klein. Oder war mit dem herzigen Mandli gar Samuel Schmid gemeint?

Der könnte aus dem Fotografieren vielleicht ein neues kulturelles Hobby machen: Wenn der Merz Bücher und der Leuenberger Redensammlungen publiziert und der Blocher als Anker- und Hodler-Mäzen posiert, könnte der Samuel als Lichtbildner seines Kulturglückes Schmied werden. Dann könnte er beispielsweise ein Bundesratsbild schiessen, das nicht wie üblich gleich von den Kritikern zerzaust wird. Oder er könnte sich bei den vielen indischen Bollywood-Filmen, die im Berner Oberland gedreht werden, als Standfotograf profilieren. Ein zweites Standbein ist heutzutage ja für alle Berufsleute nützlich. Schliesslich ist es keineswegs auszuschliessen, dass bei der nächsten Armeereform plötzlich auch der Posten des VBS-Chefs gestrichen wird.

Quelle: Yoshiko Kusano