Ob Beten noch hilft? Jürg Marquard muss harte Kritik einstecken. Zwar hat er nach eigenem Bekunden seinen persönlichen Traumjob gekriegt, nämlich Fernsehstar zu werden – und das auf Anhieb in einer grossen Sonntagabendsendung. Da darf er wie ein römischer Imperator jede Woche den Daumen heben oder senken, und wer ihm von den hoffnungsvollen Jungmanagerinnen und Möchtegern-CEOs bei den Pfadispielchen nicht gefallen hat, wird per Taxi aus der Sendung gefahren. Schliesslich geht es in dieser Sendung darum, den Traum des Herrn Marquard zu erfüllen und nicht den der Kandidaten.

Aber jetzt gebraucht der SRG-eigene Publikumsrat böse Worte wie «abstossend» und schreibt: «Jürg Marquard hält sich für den grössten und besten Unternehmer der Schweiz und stellt seinen Reichtum auf aggressive und unsympathische Art und Weise zur Schau.» «Der Mann ist eine Fehlbesetzung», verkündete Publikumsratspräsident Othmar Kempf kämpferisch.

Marquards Verteidiger gaben sich empört. Der ewige Fernsehexperte Kurt Felix ortete, wie immer, wenn jemand fernsehmässig anderer Meinung ist als er, rabenschwarzen Neid. Dabei taten die Publikumsräte doch nur ihre Pflicht: Sie brachten die Sendung in die Schlagzeilen. Der geschäftstüchtige Marquard wirds ihnen gedankt haben. Denn wer ein echter eitler Verlagsmanager ist, der weiss: Egal, ob sie in der Presse gut oder schlecht über mich schreiben, Hauptsache, sie schreiben über mich.

Falls die SRG den Jobträumer Marquard wirklich nicht mehr will, kann der es ja in der Politik versuchen. Ständeratspräsident Bruno Frick jedenfalls kopierte im «Blick» schon mal Jürg Marquards Rolle und erklärte, wen er im Bundesrat rausschmeissen oder zumindest verwarnen würde. Dieses Spielchen hatte Marquard ja schon selber gespielt: Als die «NZZ am Sonntag» ihn zum Kandidatenteam Bundesrat befragte, meinte er, er würde Bundesrat Christoph Blocher zwar Energie, Mut, Intelligenz, Ecken und Kanten sowie absoluten Führungswillen bescheinigen. «Aber leider sind Sie nicht teamfähig. Leider decken sich die Wahrnehmungen Ihrer Kollegen allzu oft nicht mit Ihren eigenen, und um Sie herum entsteht immer wieder Unruhe. Und deshalb, Herr Bundesrat, sind Sie draussen.»

Das wäre die grosse Chance für Marquards «Traumjob»-Fortsetzung: Er könnte mit dem Bundesrat ebenso lustige Spielchen machen wie mit seinen Kandidatinnen und Kandidaten. Und jede Woche einen rausschmeissen. Statt der von Populisten geforderten Volkswahl des Bundesrats die öffentliche Abwahl am Fernsehen. Allerdings gäbe es da noch das Problem des in «Traumjob» so populären Product-Placements zu lösen. Welche Firma will denn mit ihren Produkten in eine Bundesratssendung?