Texas, den einen gar zweimal, dazu einen Argentinier und einen Spanier. Und bei allen vier Gegnern sah es so aus, als falle ihm das alles federerleicht. Jetzt ist er der Grösste. Und das Schweizervolk ein bisschen mit ihm.

Endlich wissen wir, was die Deutschen meinten mit dem legendären Satz «Wir sind wieder wer», der durch den aktuellen Kinofilm «Das Wunder von Bern» wieder in Erinnerung gerufen wurde. Der Sport ist nicht immer völkerverbindend, aber im Erfolgsfall zumindest volksverbindend.

Sogar die Fans in den USA gerieten ins Schwärmen und Dichten: «Federer – Tennis can’t get any betterer!» («Federer – Tennis kann nicht besserer werden!»). Im texanischen Slang tönt ein Doppel-T eben wie ein D. Zu Hause in der Schweiz verstieg sich die sonst zurückhaltende NZZ gar zum Prädikat «ausserirdisch». Und Federers Finalgegner, Altmeister Andre Agassi, nannte den Baselbieter «eine Inspiration».

Viel Freud, viel Ehr. Bei Roger müssen wir uns auch nicht mit fremden Federern schmücken, wie damals, als böse Kritiker monierten, Martina Hingis komme aus der slowakischen und nicht aus der schweizerischen Tennisschule. Auffällig ist, dass die Schweizer Tennisstars Randexistenzen sind: Alle kommen sie von der Grenze, vom St. Galler Rheintal wie Martina Hingis und Miriam Casanova oder vom Basler Rheinknie wie Roger Federer und Patty Schnyder – am Rhein werden offenbar die besten Tennisnetze ausgeworfen.

Doch auch im Inneren des Landes werden Weltmeister gemacht. Vom Ufer des Vierwaldstättersees stammt der neue «Mister Universum» René Zimmermann, ein muskelbepackter Nachfahre der kraftstrotzenden Helden aus alten Zeiten. Sein Trainer sah ihn ebenso wenig auf Erden wandeln wie die NZZ den Federer: Er bewertete Zimmermanns Leistung als «überirdisch». Ausserirdisch, überirdisch – früher verliessen wir uns für unsere nationale Identität eher aufs Unterirdische im Alpenreduit.

Zimmermann war bei den Leichtgewichten angetreten, hatte aber offenbar die besser proportionierten Muskeln spielen lassen als die schweren Jungs. Wie die alten Eidgenossen halt: Die Kleinen besiegen die Grossen.

Und zum Dritten: Im Berner Oberland wirkt der beste Hotelier der Welt – im Interlakner Hotel Victoria-Jungfrau. Emanuel Berger wurde vom US-Magazin «Hotels» zum «Independent Hotelier of the World 2003» ernannt. Gloria Victoria, auch wenn solche Preise fast so zahlreich sind wie die Hotels in Interlaken.

Der Schweizer Tennisspieler in Houston, der Schweizer Bodybuilder in Bombay und der Schweizer Hotelier in New York haben der grossen weiten Welt den Schweizer Meister gezeigt. Wir sind wieder wer. Nur wer wir sind, wissen wir nicht so genau.

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