Bei den SBB ist das Jahr 2000 angebrochen. Die Bahn 2000 rollt. Und während wir Gewöhnlichen uns langsam mit guten Vorsätzen für 2005 befassen, machten die SBB damit schon Mitte Dezember Ernst und schenkten uns einen völlig neuen Fahrplan. Ein paar SBB-Kunden freuten sich in den letzten Stunden der alten Ordnung über Stapel von Mini-Fahrplänen in den Bahnhöfen und dachten, sie würden über die neuen Verbindungen informiert. Erst als die Züge unter dem neuen Regime zu völlig anderen Zeiten fuhren, stellten sie fest, dass ihnen die SBB alte Pläne angedreht und damit elegant ihr Altpapier entsorgt hatten.

Aber sonst hat alles geklappt wie am Schnürchen – oder in diesem Fall wie an der Fahrleitung. Am ersten Tag kam sogar der Chef mächtig ins Rollen: Der Vorsitzende der SBB-Geschäftsleitung, Benedikt Weibel, weibelte kreuz und quer durch die sonntägliche Schweiz, um das Werk der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu benedeien. Und lächelte in alle Kameras, wie ein glücklicher Weihnachtsengel, der gekommen ist, uns grosse Freude zu verkündigen – schon am dritten Advent.

Am Montag gabs die Bescherung. Ausgerechnet auf der neuen Paradestrecke zwischen Mattstetten und Rothrist standen die Signale plötzlich nicht mehr auf Grün. Nicht die Bahn war schuld, sondern ein abgestürzter Computer. Im Stellwerk Wanzwil sass der Wurm, ein zoologisch leicht grotesker Befund. Wir absturzerfahrenen Computerbenützer haben uns lebhaft vorgestellt, was die Lokführer zu hören kriegten, als sie die Hotline anriefen: «Händ Si di richtigi Software installiert?» – «Wüssed Si, mit Mäck känn ich mich nöd uus.» – «Lüüted Si uf öisi Serviceleitig aa. Choschtet drüü Franke zwänzg pro Minute.» Und unerbittlich klickt der Taxzähler.

Aber der Wanzwiler Wurm war nicht besonders hartnäckig. Ein simpler Neustart soll die stehen gebliebenen Züge wieder in Fahrt gebracht haben. Dabei hätten unsere Bahnen doch wie jeden Tag ein paar hunderttausend Pendler zur Verfügung gehabt, die mit ihren Wünschelruten das Problem hätten aufspüren können.

Den Pendelverkehr pflegte auch das Parlament, welches das Pro-Helvetia-Budget munter zwischen Stände- und Nationalrat hin- und herschob. Erstaunlich, wie schnell sich Parlamentarier ins Hirschhorn jagen lassen und allerlei wunderliche Bocksprünge vollführen, wenn es um die Definition von Kultur geht. Da die SBB mit ihrem Fahrplan einen literarischen Bestseller lanciert haben, werden die Retourkutschen fahrenden Ständeräte wohl die Bahnsubventionen als Kulturförderung abbuchen. Und die Pro Helvetia in eine bodenständigere Kulturstiftung umbauen. Schon dem bauernschlauen Fidel Castro wurde ja der Satz zugeschrieben: «Cultura es agricultura!»