Ein bodenständiger Mann mit einer himmelstürmenden Geste. SVP-Präsident Ueli Maurer will ganz nach oben, hinaus ins Weltall. Die SVP-Spitze lud ihre Delegierten in den allem Ausserirdischen gewidmeten Mystery Park zu Interlaken, um sie gegen Schengen einzuschwören. Ausgerechnet auf diesem ehemaligen Militärflugplatz – ausgerechnet zwei Wochen nachdem die SVP zusammen mit den Linken wegen zweier Transportflugzeuge das Rüstungsprogramm hat abstürzen lassen.

Das Bild macht uns endlich klar, warum die SVP so beharrlich gegen alles Europäische kämpft: Für diesen Mann ist Europa ganz einfach zu klein. Der Maurer hält sich nicht mit Schengen auf, der will intergalaktische Grenzen niederreissen. Damit setzt er etwas konsequenter fort, was sein Vorbeter Sankt Christophorus vor zehn Jahren vorschlug. Der heutige Bundesrat Blocher wollte uns damals in die Nafta führen, in die nordamerikanische Freihandelszone mit Kanada, den USA und Mexiko. Wenn er sich mit dieser Strategie durchgesetzt hätte, kämen heute die illegal ins Land geholten Erntehelfer der SVP-Bauern nicht aus Osteuropa, sondern aus Mittelamerika. Und wir dürften gemeinsam mit den Amerikanern Handelskriege gegen Brüssel führen.

Ueli Maurer steht in Erich von Dänikens Erlebnispark nicht nur als Himmelsstürmer, sondern auch als verwegener Argumentierer genau am richtigen Ort. Die Zahlen zu Schengen/Dublin, die er und seine Partei verbreiteten, blieben so mysteriös wie so vieles im Mystery Park. Die SVP-Verantwortlichen konnten sich nicht mehr erinnern, in welcher Fernsehsendung sie ihre Informationen gehört hatten; so genannte Fakten wurden von den verantwortlichen Behörden dementiert; ein als Kronzeuge angeführter österreichischer Professor verwahrte sich gegen missbräuchliches Zitieren. Die SVP-Spitzen hielten trotzdem unbeirrt daran fest, sie verbreiteten als Einzige die Wahrheit. Ihre Beteuerungen tönten so gebetsmühlenartig überzeugend wie Erich von Dänikens Beweise für die Besuche von Ausserirdischen bei unseren Vorfahren.

Jetzt fallen der SVP sogar noch die Polizisten in den Rücken. Ausgerechnet die Sicherheitspartei muss sich von den Sicherheitskräften erklären lassen, dass sie mit ihrem Sololauf gegen Schengen den Kampf gegen die Kriminellen nicht unterstütze, sondern sabotiere. Aber so wie wir die SVP-Argumentationen kennen, sind in diesem Fall eben alle Polizisten Linke, die die einzig gültige Wahrheit der SVP nicht hören wollen. Das verspricht für die nächsten Wochen einige Überraschungen. Die linke Zürcher Polizei zum Beispiel wird mit den Linken wohl einen fröhlichen 1. Mai feiern.

Die SVP wird ihnen aus dem Weltall zugucken. Irgendwer muss schliesslich die Schweizer Grenzen überwachen, wenns die Grenzschützer mal nicht mehr tun.

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