Es kommt Schwung ins Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), und das Bild zeigt klar, wer dort die Hosen anhat. Jeder ist seines Gürtels Schmied. Departementschef Schmid Samuel stieg am Schwingfest auf der Schwägalp in die Hosen und spielte einen «Bösen», wie sich die Schwinger selbst nennen. Wer seinen Generalsekretär Gut entlässt, ist ein Böser. Und darf an die Olympischen Spiele der Zentralalpen, ans Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Luzern.

Der bundesrätliche Hosenträger allerdings erlebt momentan ganz persönliche Schwing- und Schwimmfeste. Kritiker und erboste Parteikollegen wollen mit ihm zum Hosenlupf in den Ring steigen. Und sein Armeechef Keckeis Christophe gab ein Interview, das so keck war, dass Schmid es gleich auf Eis legen wollte.

Da ist es verständlich, dass der allseits Angeschossene sich zwischen lächelnde Ehrenjungfern stellt und eine Kampfart wählt, in der Lätz ein grosser Wurf und nicht ein weiterer Vorwurf ist. Wenn rundum Späne fliegen, zieht man sich gern ins Sägemehl der Schwingerringe zurück.

Bei den Schwingern gibts traditionellerweise zwei Sorten von Kämpfern: Wer im bunten Hemd zum Kampf antritt, ist ein Senn, wers im weissen Leibchen tut, ist ein Turner. Wir haben also einen Sennen vor uns, auch wenn die Farbe Schwarz bei Schwingern ungewöhnlich ist. Die rote Krawatte werden die SVP-Parteifreunde ohnehin als weiteren Beweis dafür ansehen, dass ihr halber Bundesrat schon ein halber Sozi sei. Verwirrend ist nur, dass der Schmid als Senn antritt, denn die gehören doch zum Deiss Joseph ins Volkswirtschaftsdepartement. Unseren Sportminister hätten wir im weissen Turnerleibchen erwartet.

Die Schwinger gehen mit der Zeit und trainieren mittlerweile so hart und professionell wie alle Spitzensportler. Nur ihre Funktionäre verharren oft noch in der Vergangenheit. Auf der Website des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests stand jedenfalls am 13. August, sieben Tage vor Festbeginn, der Satz: «Auf eines freuen wir uns besonders, auf die Frau Bundesrätin Ruth Metzler-Arnold. Sie wird im Jahre 2004 Bundespräsidentin sein und bei uns die offizielle Festansprache halten.» Darauf sind wir gespannt. Offenbar haben sich die Innerschweizer Schwingerfreunde noch nicht so recht an Schmids Parteifreund Blocher Christoph gewöhnt.

Einen Trost gibts für Schmid Samuel, der unter die Schwinger ging: Wenn man bei einem solchen Hosenlupf auf den Rücken gelegt worden ist, wischt einem der Gegner wenigstens den Dreck von den Schultern. Und drückt einem nicht noch den Kopf in den Sand.

Quelle: Kurt Schorrer