Jacques Herzog und Pierre de Meuron, schon von ihren Familiennamen her die Adligen unter den Schweizer Architekten, dürfen nach den Stadien in Basel, Peking und München und vielen anderen eher erdnahen Bauten jetzt 160 Meter hoch in den Himmel projektieren und Roches Ruhm zu den Sternen tragen. Dazu brauchts zwar noch die entsprechenden Bewilligungen der Behörden, aber wer die Macht der Chemie in der Rheinstadt kennt, weiss, dass diese Hürden zu überwinden sind. Sonst winkt man aus der Chefetage mal wieder sanft mit der Drohung, ins nahe Ausland zu ziehen.

Das Basler Messequartier wird also zum Manhattan der Schweiz - zumindest architektonisch gesehen. Denn das gegenwärtig höchste Schweizer Gebäude, der Messeturm, steht im gleichen Stadtteil, dem so genannten minderen Basel. Kleinbasel erhält die Grosstürme, und der Schweizer Wirtschaft ist Basel immerhin eine Messe wert. Der Drang nach oben ist verständlich. Denn von Basel aus gesehen liegt die Schweiz hinter den sieben Bergen. Da braucht es schon eine anständige Höhe, damit man zu den Mitbürgern ins Mittelland hinüberschauen kann und von dort aus auch wahrgenommen wird.

Das Streben nach Höherem ist der Basler Chemie denn auch nichts Neues. Schon in den alten Zeiten, als es statt der Novartis noch die drei Roche-Konkurrentinnen Ciba, Geigy und Sandoz gab, war Basel eingekreist von vier chemischen Türmen. Vom Münster aus - einst Mass aller Türme in der Stadt - sah man im Osten das Wahrzeichen der Roche, im Nordosten jenes der Geigy, im Norden die Ciba, im Nordwesten die Sandoz. Sie umgaben die Stadt wie vier mittelalterliche Stadttore - nur etwas weniger durchlässig. Und schon damals standen drei von ihnen im Kleinbasel. Im nobleren Grossbasel drüben gibts dafür die drei übrig gebliebenen historischen Stadttore. Und die Grossaktionäre der Roche.

Es fällt auf, wie viele der grossen Schweizer Multis am Rande des Landes angesiedelt sind: Novartis und -Roche im Dreiländereck und Nestlé am Genfersee blicken von ihren stattlichen Firmensitzen alle hinüber nach Frankreich. Die beiden Chemiekonzerne investieren überdies nahe der Grenze viel Geld in den Forschungsstandort Schweiz. Die Forschung boomt, aber sie führt hierzulande geografisch gesehen eine Randexistenz, immer mit dem Blick hinüber in die EU.

In der Forschung übrigens war die Roche schon immer ganz oben. Früher kamen die Shareholder Values vom Valium, heute eher von Mitteln gegen Krebs und von Tamiflu, das gegen die Vogelgrippe helfen soll. Vielleicht sieht der neue Turm der Roche deshalb wie ein riesiger Taubenschlag aus.

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