Ein halbes Jahrtausend stehen unsere Truppen schon am Tiber – mit einigen Pausen wegen habsburgischer und napoleonischer Störenfriede. Und seit 100 Jahren fahren Schweizer Postautos über die Alpen. Allem, was uns hilft, den Gotthard zu überwinden, ist unsere Bewunderung und Zuneigung gewiss.

Die Schweizergardisten begannen 1506 ihren Dienst beim Papst als hervorragende Exponenten der frühen Schweizer Waffenexporte. Ganz Europa wollte damals die wilden Krieger aus den Alpentälern. Die heutigen Gardisten haben Glück, dass sie von der Schweizer Armee weit kulanter behandelt werden als andere Schweizer Diensttuende in fremden Kriegsdiensten. Wer etwa im spanischen Bürgerkrieg in den dreissiger Jahren die Demokratie schützte, statt in Rom Autokraten zu bewachen, landete vor gutschweizerischen demokratischen Divisionsgerichten. Weil er in Spanien den aufstrebenden Diktator Franco, einen frommen Katholiken, bekämpft hatte.

Auch andere Schweizergardisten sind dieser Tage im Schutzdienst gefordert. Im temporären Vatikan der Globalisierung, dem WEF-Tagungsort Davos, waren vergangene Woche eher unfreiwillige Schweizer Söldner zum Schutz der Päpste aus Wirtschaft und Politik aufgeboten. Und in Obwalden, dem neuen Heiligen Stuhl des Steuerwettbewerbs, wehrten sich die wackeren Recken der Einwohnerkontrolle gegen einen bösen Welschen mit fremdländischem Namen, der die neue Steuerordnung juristisch überprüfen lassen will. Wir sind gespannt, ob die Papiere und Lebensgewohnheiten der vor Sarner Türen lauernden Multimillionäre ebenso hart geprüft werden wie jene des Josef Zisyadis. Oder ob dann der Obwaldner Abwehrwille gegenüber fremden Fötzeln angesichts lockender Steuermillionen urplötzlich erlahmen möchte.

Die Jubiläumsfeier der frommen Truppe zu Rom brachte übrigens in der Schweizer Presse ausgerechnet den Teufel ins Rotieren – den Druckfehlerteufel. Der «Blick» machte den ersten Gardekommandanten von 1506, den Urner Hauptmann Kaspar von Silenen, zu einem «Ulmer Kommandanten». Als hätten die deutschen Landsknechte, damals die ärgsten Konkurrenten der Schweizer Reisläufer, in der Garde etwas zu suchen gehabt. Und die «Basler Zeitung» ernannte in ihrem Bericht übers Gardejubiläum den Generalvikar des Bistums Basel zum «Generalviktor». Nun passt ja ein Viktor, ein Sieger, tatsächlich besser zu einem General. Aber trotz kämpferischen Tönen gegen die bockige Kirchgemeinde Röschenz bleibt Roland-Bernhard Trauffer ein Vikar.

Und die Garde in Rom eine echte Schweizer Armee – ohne General.

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