Valser fliesst nach Russland. Der Bündner Sprudel will in den russischen Luxusrestaurants zur Modemarke werden. Was einst den trendigen New Yorkern ihr Perrier war, soll den modischen Russen ihr Valser werden. Mit dem Pioniergeist, der ihre Vorfahren antrieb, aus den Walliser Tälern auszuwandern und jene des Bündnerlands und Vorarlbergs zu erobern, expandieren die Valser nach Osten. Schliesslich heisst ihre Mineralwasserquelle St. Petersquelle, und die soll bis nach St. Petersburg fliessen. Mit diesem Namen dürfte auch in den Beizen um den St. Petersdom im Vatikan noch was zu holen sein. Die durstigen Schweizer Gardisten haben wir schon vorausexportiert.

Rein schweizerisch ist die Sache allerdings nicht. Die Quellen im Valsertal gehören ja mittlerweile den Gewaltigen von Coca-Cola im fernen Atlanta. Die wollen neben ihrem braunen Drink zunehmend reines Wasser im Sortiment haben. Der globale Geist weht, wo er will. Und die globalen Säfte fliessen gleich hintendrein. Die Amis kaufen den Schweizern ihr Valser-Wasser ab, damit in Russland der Rubel rollt. Dafür hat der von einem Schwaben gegründete und von einem Österreicher geleitete Schweizer Konzern Nestlé den Franzosen ihr Perrier abgeluchst. Und der frühere Valser-Besitzer, der Berner Donald P. Hess, hat sich mit seinem kalifornischen Weingut einen Namen gemacht. Immerhin werden die Geschäfte von Valser immer noch in der Schweiz gemanagt, im Berner Quartier mit dem lieblichen Namen Liebefeld, in der heutigen harten Geschäftswelt ein eher exotisches Plätzchen.

Doch was müssen wir da in der «Sonntags-Zeitung» lesen: Möglicherweise führen die Valser Berge gar nicht genug Wasser für den Rest Europas. Neben dem Export in Flaschen braucht man das kostbare Nass ja auch noch fürs berühmte Thermalbad. Stararchitekt Peter Zumthor hat ihm eine grossartige Hülle gebaut. Sollte dieses Bad austrocknen, dann dürfte auch der Strom von Architekten versiegen, die eigens wegen des spektakulären Zumthor-Baus aus aller Welt ins Bündnerland reisen.

Die Valser haben für ihr Marketing noch einen weiteren, unübersehbaren Vorteil: Zuhinterst in ihrem Tal steht mit dem Zervreilahorn ein Berg, der so sehr dem Matterhorn ähnelt, dass es einst den einwandernden Walsern heimatlich warm ums Herz wurde. Diese Bergsilhouette wird in der ganzen Welt sofort die optische Verbindung zum weltberühmten Walliser Horn herstellen, ohne dass die Zermatter ihre fernen Verwandten des Plagiats bezichtigen dürfen. Und zu Füssen des Bündner Horns haben die Valser einen Staudamm, der eine ganze Menge echtes Valser Wasser hat auflaufen lassen. Die Russen können ruhig lostrinken. Der Herrgott wird es bei den Valsern schon wieder rechtzeitig regnen lassen.

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