Und das soll das Bett einer Königin sein, der angeblich letzten grossen Diva des Films? Dieses nüchterne Lager ohne Baldachin und kunstvoll gedrechselte Holzsäulen, ohne Schmuck und Glanz? Das darf doch wohl nicht wahr sein, dass man im noblen Zürcher Grandhotel Dolder Sophia Loren in dieses Bett gelegt hat. Die Schweizer Spitzenhotellerie hatten wir uns in unseren Fantasien von den Reichen und Schönen doch ein wenig anders vorgestellt.

Kein Wunder, will man dieses Bett loswerden und etwas Besseres hinstellen. Das Grandhotel verscherbelt sein Hab und Gut, denn jetzt wird umgebaut, und dann soll alles anders werden. Im neuen Kleid will das Haus unter die besten zehn der Welt vorstossen. Top of Switzerland sollte uns einst am Fernsehen unterhalten, Top of Europe rühmt sich die Jungfrauregion, unter die Top Ten of the World will das Dolder vorstossen. Topp, die Wette gilt.

Und jetzt kann man also das Mobiliar aus Sophia Lorens Schlafzimmer im Dolder mit nach Hause nehmen, wenn es denn unbedingt sein muss. Die Kundschaft wird sich bestimmt nicht nur auf Sophias Bett stürzen, sondern auch auf die beiden grossartigen Nachttischchen, bei denen vom Biedermeier nur das bieder übrig geblieben ist. Als hätte die Eidgenossenschaft, wie von Justizminister Blocher angedroht, die Unterstützung für die Tourismusindustrie bereits auf einen symbolischen Franken gekürzt. Und im einen Nachttischchen liegt als Folklorehäppchen ein echtes Schweizer Telefonbuch. Vielleicht musste sich Donna Sophia ja mal ein Taxi bestellen.

Nein, eine edle Visitenkarte für die Schweizer Hotellerie ist diese Lagerstatt bestimmt nicht. Schliesslich schliessen die Gäste beim Schlafen die Augen, werden sich die Einkäufer wohl gedacht haben. Gerade jetzt, da unsere Fussballspieler, -funktionäre und -schiedsrichter ausgerechnet die Engländer gegen uns aufgebracht haben, die doch so viel für unser Tourismusgewerbe getan haben, wird uns auch noch die Illusion des geheimnisvollen Turmzimmers im Dolder zerstört. Kein Dornröschengemach für die Filmprinzessin, sondern nüchterne Schweizer Sachlichkeit, die deutlich schneller in die Jahre gekommen ist als die Bellezza aus Neapel.

Sophia Loren wird bestimmt den Weg ins neue Hotel finden. Schliesslich hiess der höchste Punkt des Adlisbergs, an dessen Hang das Grandhotel Dolder steht, schon Lorenkopf, bevor die Loren dort ihren schönen Kopf zeigte. Dort oben steht auch jener Turm, den die Stadt Zürich wegen der Südanflüge gegen ihren Willen mit einem Leuchtfeuer ausrüsten muss. Die ersehnten Dolder-Gäste sollen auf dem einzigartigen Unique Airport schliesslich auch landen können. Bald soll der Loren genau wie die Loren im hellen Scheinwerferlicht erstrahlen.

Und der ganzen Welt den Weg ins renovierte Hotel Schweiz weisen.

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