Wenn man die ehrwürdigen Häuser sieht, die nur durch die schmale Schillerstrasse getrennt sind, möchte man mit dem Zürcher Reformator Huldrych Zwingli ausrufen: «Tut um Gottes willen etwas Tapferes!» Die zwei Institutionen haben so enge Beziehungen zur Wirtschaft, dass sie auch deren Schlagworten nachleben, Reformen einleiten und Synergien nutzen sollten. Warum sollte Pereira nicht beide Direktionen managen? Dann könnte die NZZ ihren Chefredaktorenlohn ans Opernhaus abliefern, und der Kanton Zürich hätte ein paar Subventionsfranken gespart. Zudem hat Alexander der Grosse alles, was vielen Redaktionsmanagern fehlt: Er ist weltläufig, wortgewandt, gebildet, charmant und vor allem erfolgreich.

Die publizistische und die Opernbühne haben ja auch manches gemeinsam. So geht es in beiden Häusern nicht nur um die hehre Vermittlung des Schönen, Guten und Wahren, sondern gerade in diesen harten Zeiten vor allem um deren Finanzierung. Wo der eine Chef auf Sponsorensuche geht, braucht der andere Inserenten, und häufig klopfen sie dabei an dieselben Türen. Diese Bettelaktionen auf höchstem Niveau beherrscht Alexander Pereira meisterhaft. Und die Medienpartnerschaft wäre erstklassig.

Gemeinsam ist den beiden Seiten der Schillerstrasse auch, dass ziemlich viele Worte abgesondert werden. Viele davon verstehen wir nicht, und gelegentlich beschleicht uns der Verdacht, dass das nicht immer ein Schaden sei. Manchmal werden selbst in so hohen Häusern einfach nur grosse Töne gespuckt. Auf beiden Bühnen wird gelitten und gejubelt, werden grosse Taten vollbracht und kleine Intrigen gesponnen. Da produzieren sich vor den billigen Plätzen und den teuren Logen Heldentenöre und Statisten, stehen die Koloraturen grossartiger Soprane neben farblosen Bemühungen weniger talentierter Kräfte. Auf Hochgenüsse folgen Enttäuschungen. Doch NZZ wie Opernhaus haben ihre Imagepflege so perfektioniert, dass sie so oder so als erstklassig gelten und den Ruhm Zürichs und der Schweiz in die weite Welt hinaustragen.

Die Chancen sind gering, dass der Spartipp einer Personalunion zwischen Chefredaktor und Operndirektor realisiert wird. Das Publikum dieser beiden traditionsbewussten Institutionen mag alles am liebsten so, wie es immer war. Bei allzu viel Fortschritt bleibt es fort. Und die nächste Offerte für Pereira kommt bestimmt.

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Quelle: Andreas Eggenberger