Ständerat Luc Recordon wittert «sehr gefährliche Tendenzen», sogar Ansätze zu «rassistischen Strömungen». Denn die Zürcher Firma iGenea bietet DNA-Tests an, die Aufschluss geben sollen über die eigenen Wurzeln, etwa ob man germanischer, keltischer oder wikingischer Abstammung ist. Die Tests kosten zwischen 165 und 1030 Franken, ihr Aussagewert ist wissenschaftlich umstritten. Doch nicht das ist es, was Recordon stört, sondern dass die Tests auch ermitteln sollen, ob man jüdischer Abstammung ist. Das geht gar nicht. Denn hier soll, so findet der Waadtländer, «einem sinnentleerten Rassenbegriff zu Gültigkeit verholfen» werden, um «Menschen nach einem derartigen Kriterium einzuschätzen».

Dies schrieb Recordon in seinem parlamentarischen Vorstoss. Und: «Ist der Bundesrat über die beschriebenen Sachverhalte im Bild und wie gedenkt er, auf diese zu reagieren?» Am liebsten möchte Recordon solche Angebote rundweg gesetzlich verbieten.

Die Antwort des Bundesrats steht noch aus. Yves Kugelmann dagegen hat sich schon eine Meinung gebildet: «Der Vorstoss ist vielleicht gut gemeint, aber wenig kompetent vorabgeklärt. Ich sehe bei diesem Test keine rassistische Problematik. Es geht um die ethnische Stammeszuordnung durch einen Gentest. Judentum ist eine Stammeskultur.» Das Urteil kommt aus berufenem Mund. Kugelmann ist Chefredaktor der jüdischen Wochenzeitung «Tachles». Steht er mit seiner Meinung allein? Nein. Auch Rolf Halonbrenner vom Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund findet: «Wenig gravierend.»

Das Parlament und seine Dienste sind überlastet, rund die Hälfte der eingereichten Vorstösse wird «abgeschrieben», das heisst undiskutiert weggeworfen. Es scheint, als gehöre Recordons Vorstoss in diese Kategorie.

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