Vor zwei Jahren steckte Andrea M. mitten im Scheidungsverfahren. Auf die Hilfe ihres Anwalts war sie dringend angewiesen. Doch sein Einsatz war mangelhaft. Kurz vor der Verhandlung liess sie deshalb den Termin platzen und beauftragte einen anderen Anwalt, der die Scheidung zur vollsten Zufriedenheit über die Bühne brachte. Doch dann schickte der erste Anwalt seine Rechnung: 12'200 Franken. Andrea M. wandte sich an den kantonalen Anwaltsverband. Der teilte ihr mit, dass der gerichtliche Honorargutachter zuständig sei. Bei diesem blieb das Dossier dann über ein Jahr liegen.

Erst nach Intervention des Beobachters erhielt Andrea M. das Gutachten: Das Honorar des Anwalts wurde auf 8000 Franken gesenkt.

Das sind die Regeln:


  • Zwischen Anwalt und Klientin besteht ein Auftragsverhältnis. Der Anwalt ist verpflichtet, den Auftrag sorgfältig zu erfüllen. Die Klientin wiederum muss das Honorar und die Auslagen des Anwalts bezahlen.

  • Anwälte werden auf zwei Arten tätig: beratend und forensisch, also als Vertreter vor Gericht. Nur die Vergütungen für die Anwaltskosten, die das Gericht bei einem Verfahren zuspricht, sind geregelt. Ansonsten können Klient und Anwalt das Honorar frei vereinbaren.

  • Fragen Sie schon beim ersten Gespräch nach dem Honoraransatz Ihrer Anwältin, Ihres Anwalts. Die Höhe des Streitwerts wirkt sich in der Regel auf die Höhe des Stundenansatzes aus. Doch Vorsicht: Bereits das erste Gespräch ist kostenpflichtig. In der Regel verlangen die Anwälte vor einer weiteren Tätigkeit einen Kostenvorschuss. Besprechen Sie sich mit dem Anwalt, der Anwältin, falls der Ansatz zu hoch ist.

  • Verbindliche Tarifordnungen der kantonalen Anwaltsverbände sind aufgrund des Kartellrechts nicht mehr zulässig. Es gilt der freie Wettbewerb. Die Anwaltsverbände dürfen auch kein Minimalhonorar mehr festlegen.

Scheint die Rechnung des Anwalts zu hoch, gibt es folgende Möglichkeiten:


  • War der Anwalt nur beratend tätig, so überprüft vielerorts die Honorarkommission des kantonalen Anwaltsverbands die Kosten.

  • Ist ein Honorar im Zusammenhang mit einem Gerichtsverfahren strittig, so ist in der Regel das beteiligte Gericht auch für die Uberprüfung der Rechnung zuständig. Andrea M. hatte sich an den Verband gewandt, weil ihr Anwalt sie noch nicht vor Gericht vertreten hatte. Seine Tätigkeit bezog sich aber vorbereitend auf den Prozess. Deshalb musste der gerichtliche Honorargutachter die Rechnung überprüfen.


Wenn Andrea M. jedoch nicht nur das Honorar, sondern auch die schlechte Leistung des Rechtsanwalts beanstanden will, dann muss sie den ordentlichen Prozessweg vor Zivilgericht einschlagen. Das gilt auch dann, wenn die Rechnung eines Anwalts überprüft werden soll, der nicht Mitglied eines Anwaltsverbands ist.

Anzeige