«Meine Frau will sich scheiden lassen», schrieb der Beobachter ins Kontaktformular der Internetplattform www.advofinder.ch und suchte auf diesem Weg einen Anwalt. «Sie verlangt die Hälfte meines Vermögens (rund eine Million Franken) und droht damit, sich gegen die gemeinsame elterliche Sorge unseres gemeinsamen Sohnes zu wehren.» Innert dreier Stunden meldeten sich per Mail sieben Anwältinnen und Anwälte auf die Anfrage - mit schriftlicher Rechtseinschätzung zum Fall, teilweise unter Angabe von Stundenansätzen (von 175 Franken bis 325 Franken), Kosten für eine Erstberatung und Profil der Anwaltskanzlei.

Toller Service, den der Zürcher Anwaltsverband (ZAV) mit seinen rund 2'300 Mitgliedern anbietet. Im Detail funktioniert das so: Unter www.advofinder.ch kann man sein Rechtsproblem anonym schildern. Der Fall wird ohne Mailadresse an spezialisierte Rechtsanwälte weitergeleitet. Ist ein Anwalt daran interessiert, kann er via Advofinder mit dem Hilfesuchenden Kontakt aufnehmen.

Doch die Online-Kontaktvermittlung ist nicht immer gleich erfolgreich. Nur gerade ein Anwalt meldete sich auf einen nachbarrechtlichen Fall («Ständig fallen Blätter und faule Äpfel auf unsere Wiese. Ich will, dass das aufhört.»). Und kein einziges ZAV-Mitglied interessierte sich für den fiktiven Hilferuf eines Verwahrten, der einen Anwalt suchte, der ihm helfen sollte, Vollzugslockerungen zu erkämpfen. Kandidaten mit wenig lukrativen Fällen müssen offenbar weiterhin zum Telefon greifen, um einen Rechtsvertreter zu finden.

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