Was haben die Weltcup-Skirennen von Adelboden, die Pferderennen in Maienfeld und die Schlussetappe der Tour de Suisse der Frauen gemeinsam? In all diesen Fällen sprangen Soldaten als unentgeltliche Festhelfer ein. Bietet ein Anlass zudem die Möglichkeit, ein bisschen Werbung für die Armee zu machen, so werden «keinerlei Kosten verrechnet», schreibt die Untergruppe Logistik der Armee. Ansonsten haben die Gesuchsteller bloss die zusätzlich entstehenden Aufwendungen für Verpflegung, Unterkunft und Transport zu übernehmen. Die Arbeitsleistung ist gratis.

Wie teuer den Steuerzahler die rund 21'000 Diensttage an 82 zivilen und ausserdienstlichen Einsätzen im letzten Jahr gekommen sind, weiss man offiziell nicht. «Eine Vollkostenrechnung ist für uns wegen fehlender Rahmenkriterien nicht möglich», sagt Ueli Liechti, Kommunikationschef beim Generalstab. Dabei hat Generalstabschef Hans-Ulrich Scherrer verkündet, er wolle die Armee «wie ein selbstständiges Unternehmen» und «nach betriebswirtschaftlichen Prinzipien führen».

Nimmt man den allgemeinen Tagesansatz der Armee von 205 Franken, läppern sich die Gratisdienste für 2001 auf 4,3 Millionen Franken zusammen. In den beiden Vorjahren lag dieser Wert mit 61,5 und 33,6 Millionen Franken weit höher – vor allem verursacht durch die Katastrophenhilfe etwa nach dem Sturm «Lothar».

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Kritik an Festeinsätzen wächst
Während die Notwendigkeit solcher Einsätze unbestritten ist, wächst die Kritik an den Hilfsdiensten für allerlei Grossfeste und Sportveranstaltungen. CVP-Ständerat und Oberst Bruno Frick nannte die Schweizer Armee kürzlich in der Zeitung «Cash» das «Festhilfekorps der Eidgenossenschaft». Zu Recht, erfolgten die Gratisdienste im Jahr 2000 doch zu 57 Prozent an Sportanlässen und Festen. Einige Veranstaltungen könnten ohne die Unterstützung der Armee gar nicht durchgeführt werden, heisst es beim Generalstab.

Doch auch Arbeitgeberpräsident Peter Hasler pocht auf die «Kernaufgaben Landesverteidigung und Friedenssicherung». Schliesslich bezahlen Arbeitgeber und -nehmer jährlich rund 800 Millionen Franken für die Erwerbsersatzordnung. Die Folgekosten durch Militärabwesenheit sind da nicht einmal eingerechnet.

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Selbst in der Armee gibt es kritische Stimmen zum Fest-treiben. Über den «leichtfertigen Gebrauch militärischer Kräfte» mokierte sich etwa Paul Krüger, Oberst im Generalstab. Auch Generalstabschef Scherrer ist nicht ganz wohl bei der Sache: «Als Truppenkommandant habe ich die Truppenhilfe zugunsten Dritter hin und wieder mit gemischten Gefühlen ausgeführt.» Trotzdem wurde von 144 Gesuchen im letzten Jahr mehr als die Hälfte bewilligt. Zuvor war offenbar heftig lobbyiert worden. «Die Beurteilung kann auch abhängig sein vom Einfluss des Gesuchstellers, ohne dadurch von der Verordnung abzuweichen», umschreibt Kommunikationschef Liechti etwas gewunden diesen Sachverhalt.

Armee müsste mehr nein sagen
Dabei müsste die Armee dem Selbstbedienungsladen mit Hinweis auf das Militärgesetz eigentlich selber ein Ende setzen. Die «Verordnung über den Einsatz militärischer Mittel für zivile und ausserdienstliche Tätigkeiten» bezeichnet nämlich die Voraussetzungen, die kumulativ zu erfüllen sind. Es sind dies unter anderem:

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  • Die unterstützten Tätigkeiten sind von nationaler oder internationaler Bedeutung und von öffentlichem Interesse.
  • Die Gesuchsteller können ihre Aufgaben nachweisbar nicht mit eigenen Mitteln bewältigen.
  • Mit dem Einsatz ist ein Ausbildungs-oder Trainingszweck verbunden.
  • Die Hilfe konkurrenziert die zivilen Unternehmen nicht übermässig.


Es braucht schon einige Fantasie, um etwa im Pistentreten oder im Armeeeinsatz bei der Tour de Suisse féminin solche Voraussetzungen zu erkennen. Offensichtlich ein Problem: Die Verordnung lasse «in der Umsetzung einen gewissen Interpretationsspielraum», meint Kommunikationschef Liechti. Sein Chef, Bundesrat Samuel Schmid, gelobt nun Besserung. Er hat seiner Truppe eine restriktivere Linie bei Hilfseinsätzen verordnet und will ab 2003 nur noch ein Dutzend Grossanlässe pro Jahr unterstützen.

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