Alles soll ganz rasch gegangen sein: Roman Dudarew (Name geändert) habe in der Coop-Filiale Egerkingen SO einem Kollegen Zigaretten in einen Korb gefüllt, worauf dieser, ohne zu zahlen, verschwunden sei. Das behauptet eine Angestellte – der Asylbewerber aus Kasachstan widerspricht.

Fest steht: An jenem Tag im August rückte die Polizei an und verfrachtete Dudarew zurück ins Durchgangsheim. Allerdings nicht, ohne ihm zuvor sein ordnungsgemäss registriertes Handy abgenommen zu haben. Der Grossverteiler seinerseits knöpfte Dudarew sein ganzes Bargeld von 45 Franken ab. Coop Nordwestschweiz will sich zum Vorfall nicht äussern.

Esther Arni, die sich um den Asylbewerber kümmert, will Klarheit. Die Solothurner Kantonspolizei schreibt ihr, dass «die Abnahme des Natels den asylrechtlichen Bestimmungen entsprochen» habe. Und gegenüber dem Beobachter beruft sich die stellvertretende Oberstaatsanwältin Sabine Husi auf die kantonale Strafprozessordnung: «Bei Personen ohne Wohnsitz in der Schweiz können zur Sicherstellung von Bussen und Verfahrenskosten Gegenstände beschlagnahmt werden.» Was Dudarew aber konkret vorgeworfen wird, will Husi nicht sagen – das Verfahren sei noch nicht abgeschlossen.

«Die Abnahme von Vermögenswerten bedeutet faktisch eine Schuldvermutung», moniert Jürg Schertenleib von der Schweizerischen Flüchtlingshilfe. «Es ist fraglich, ob dieses Vorgehen einer verfassungsrechtlichen Prüfung standhalten würde.»

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