Angenommen, im AKW Gösgen tritt Radioaktivität aus. Was würde Marcel Lips tun, wenn einer seiner Mitarbeiter versuchen würde, aus dem AKW zu fliehen? «Eine heikle Frage», meint der Leiter der Abteilung Chemie und Strahlenschutz im AKW Gösgen. «Ich würde auf jeden Fall das Gespräch suchen und versuchen, ihm bewusst zu machen, wie wichtig seine Aufgabe ist. Es würde ja nicht viel bringen, wenn ich ihn zwänge.» Die meisten, die sich für eine Stelle bei einer AKW-Notfallequipe bewerben, wüssten jedoch, was sie erwartet.

200 Mann für den Notfall

Wie jedes AKW hat auch Gösgen eine eigene Feuerwehr. Sie erfüllt alle Aufgaben, die auch eine normale Dorffeuerwehr zu bewältigen hat. Zusätzlich ist sie im Umgang mit Radioaktivität geschult. Hinzu kommt die Abteilung Strahlenschutz. Sie überwacht laufend die Strahlungswerte im AKW und legt die Schutzmassnahmen für AKW-Mitarbeiter fest. Eine eigene ­Sanität und ein eigener Sicherheitsdienst vervollständigen die Notfallequipen. Unterstellt sind die 200 Mann der Notfall­equipen dem sogenannten Notfallstab.

Radioaktivität tritt aus: Wer wofür zuständig ist

Die sogenannte Notfallorganisation tritt in Aktion, wenn die Bevölkerung und die Umwelt durch erhöhte Radioaktivität gefährdet sind.

Klicken Sie auf die Grafik, um sie vergrössert darzustellen.

Quelle: Thinkstock Kollektion

Hilfe von aussen – ohne Schutzanzug

Stossen die Notfallequipen an ihre Grenzen, können sie von der Feuerwehr Schönenwerd in wenigen Kilometern Ent­fernung Unterstützung anfordern. Die externen Feuerwehrmänner sind aber weder im Umgang mit Radioaktivität ausgebildet, noch sind sie im Besitz von speziellen Strahlenschutzanzügen.

Die Notfallequipen des AKWs sind nur für das Gelände des AKWs verantwortlich. Ihr Zuständigkeitsbereich endet am äusseren Stacheldrahtzaun. Via die sogenannte Notfallorganisation sind die Leute im AKW über die Lage ausserhalb immer im Bild (siehe Grafik).

Für den Bevölkerungsschutz ausserhalb des Zauns sind Polizei, Feuerwehr, Teile des Gesundheitswesens, technische Betriebe und Zivilschutz im Einsatz. Sie werden von den Kantonen koordiniert, diese wiederum handeln im Katastrophenfall auf Anweisung des Bundes.

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