Deutsch durch den Fleischwolf gedreht», so charakterisierte der Dichter Franz Kafka unsere Dialekte. Ein Grund, weshalb die Schweiz für junge Ausländerinnen nicht unbedingt das Wunschland ist, um Deutsch zu lernen.

Manchmal verhindert auch der Amtsschimmel einen Sprachaufenthalt. So hätte etwa eine junge Frau aus dem Ausland beim Zürcher Ehepaar Rüdiger Gisevius und Gudrun Schulze (Namen geändert) perfekt Deutsch lernen können. Gisevius ist deutscher Staatsangehöriger und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Freiburg im Breisgau. Sein Deutsch ist ein wahrer Hörgenuss. Und Gudrun Schulze ist Kulturjournalistin.

Seit acht Monaten sind die beiden Eltern von Zwillingen (Bild) – und sie waren bereit, alle Anstellungsanforderungen für eine Au-pair-Frau zu erfüllen. Dazu gehört, dass der Gast eine Sprachschule besuchen kann, Kost und Logis sowie einen Lohn von mindestens 700 Franken erhält – und nicht mehr als 30 Stunden pro Woche im Haushalt mithelfen muss. «Wir haben eine Au-pair-Lösung ins Auge gefasst, weil es extrem schwierig ist, für Zwillinge einen Krippenplatz zu finden», sagt Rüdiger Gisevius. Er absolviert an der Universität ein 50-Prozent-Pensum und hätte auch genug Zeit für die Betreuung eines Au-pairs.

Doch das Ehepaar musste die Suche bald abbrechen. Denn Violett Wenk, zuständig für Au-pairs beim Stadtzürcher Arbeitsamt, winkte ab. «Die Hausfrau darf nur eine Stelle innehaben, die 50 Prozent der Arbeitszeit des Au-pairs entspricht – das ist etwa eine 25-Prozent-Stelle.» Und Teilzeit-Hausmänner sind als Betreuer offenbar nicht gern gesehen. Wenk: «Heutzutage muss man auch den Mann im Haushalt akzeptieren, doch ich bin eigentlich nicht für Hausmänner.»

Die Stadt Zürich steht mit ihrer strengen Praxis allein auf weiter Flur. Die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zürich, die die Au-pair-Bewilligung für die Gemeinden regelt, ist weit grosszügiger. «Wenn ein Ehepartner eine 50-Prozent-Stelle hat, erteilen wir die Bewilligung – egal, ob es sich um den Mann oder die Frau handelt», sagt der zuständige Mitarbeiter. Auch im Aargau ist eine 50-Prozent-Stelle kein Hinderungsgrund für die Anstellung eines Au-pairs. Und im Thurgau spielen die Arbeitszeiten gar keine Rolle.

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Das Ehepaar Gisevius-Schulze hätte nur von der Stadt Zürich nach Zollikon umziehen müssen – und seine Chancen wären intakt gewesen. Die beiden haben jetzt einen andern Weg gewählt: Rüdiger Gisevius amtet bis zum Herbst als vollamtlicher Hausmann, auch wenn Violett Wenk vom Zürcher Arbeitsamt das nicht so gern sieht.