Das Engadiner Reizklima muss ihm auf die Sprünge geholfen haben. Anders kann sich Oliver Haas, Mediensprecher des Circus Nock, nicht erklären, warum das vierjährige Wallaby-Känguru Walter während der Tournee quer durch die Schweiz ausgerechnet beim Aufenthalt in Schuls mir nichts, dir nichts das Weite suchte. Glücklicherweise hat das putzige Beuteltier die Kurve gekriegt und ist nach drei Tagen freiwillig wieder im Hafen der Familie bei Muttern und zwei Geschwistern gelandet. Zuvor hatte es den Tierpflegern aber mehrmals ein Schnippchen geschlagen und knapp ausser Griffnähe einige Runden ums Gehege gedreht. Seit Walter, von Natur aus friedliebend und gesellig, wieder «einsitzt», ist unter der Zeltkuppel Ruhe eingekehrt. Oder ist es eine Ruhe vor dem – nächsten – Sturm? Heisst es beim Circus Nock gar bald einmal wieder «herausspaziert»?

Jedenfalls hat die Bündner Höhenluft schon vor sechs Jahren bei einem Zwergkänguru desselben Zirkusclans unterdrückte Fluchttriebe wachgerufen. Damals setzte Wallaby-Männchen Fred in Savognin zum Sprung in die Freiheit an und hielt während voller 33 Tage die Zirkusleute und die Bevölkerung auf Trab. Wildhüter, Polizisten und Medienleute machten sich auf die Pirsch nach dem exotischen Ausreisser.

Kurz vor dem Startschuss zur Bündner Hochjagd, die das Hoppeltier als potenzielle Zielscheibe in Lebensgefahr hätte bringen können, gelang es einem Zirkusmitarbeiter, Känguru Fred in freier Wildbahn am Schwanz zu packen und einzufangen. Ausgehungert, aber wohlbehalten kam der eingefleischte Pflanzenfresser wieder hinter Gitter. Dank Kraftfutter fand er bald zu seiner alten Form zurück. Ein Jahr später ging Fred den Weg alles Irdischen.

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Doch er hinterliess ein potentes Erbe: Känguru Fred ist der leibhaftige Erzeuger von Walter. Kein Wunder also, fällt der Sprössling in der Menagerie neben seinen Artgenossen immer wieder durch sein explosives Temperament auf: Wirbelwind Walter hat den Freiheitsdrang im Blut.

Der Name Walter ist im Übrigen alles andere als zufällig gewählt, wie Mediensprecher Oliver Haas verrät: Man habe damit auf den legendären Ausbrecherkönig Walter Stürm anspielen wollen. Wenn das kein Freipass zum (S)Türmen ist!