Die Einwohner der Baselbieter Gemeinde Pfeffingen dürfen bereits ab 13 Uhr zur Tat schreiten, während den Bewohnern im angrenzenden Aesch beim Werken im Grünen bis 13.15 Uhr Zurückhaltung auferlegt ist. Das jüngste Dekret erreicht uns aus Binningen: Hier hat der 40-köpfige Einwohnerrat soeben die seit 1970 geltende Sperrfrist von 15 Uhr um eine Stunde vorverlegt.

Die Rede ist vom Startschuss zum Rasenmähen für Privatpersonen nach der Mittagsruhe. Das Rattern der Geräte – in der Schweiz rund 50'000 an der Zahl – sorgt für dicke Luft: Hobbygärtner betreiben die motorisierte Gartenrasur als Freiluftvergnügen, Hausherren zelebrieren den Ritt auf dem «Aufsitzmäher» als Prestigeparcours.

Im Verordnungsdeutsch gilt Rasenmähen prosaisch als eine «lärmintensive Arbeit» und wird im gleichen Atemzug genannt wie Teppichklopfen oder Häckseln. Weil solche Aktivitäten gemäss Lärmschutzverordnung die Nachbarschaft in ihrem Wohlbefinden «nicht erheblich» stören dürfen, sind zeitliche Einschränkungen geboten.

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Die meisten Gemeinden regeln die Ruhezeiten in der Polizeiverordnung. So auch Binningen mit seinen 13'887 Einwohnern, 1656 Einfamilienhäusern und 615 registrierten Hunden. Allerdings wurde immer wieder Unmut laut, weil Privatpersonen ihren Rasenmäher erst um 15 Uhr in Betrieb nehmen durften, während das Gewerbe bereits ab 13 Uhr freie Fahrt hatte. Der Antrag des Gemeinderats, sich auf 14 Uhr zu einigen, fand nun zu guter Letzt breite Zustimmung.

Gemeindepräsidentin Bea Fünfschilling bezeichnet die Lösung als «angemessenen Kompromiss», zumal Binningen den höchsten Anteil von Betagten im Kanton Basel-Landschaft aufweist: «Die älteren Leute schätzen ihren Mittagsschlaf und ärgern sich über den Lärm.» Als Vertreterin der Bevölkerung in der Fluglärmkommission BS/BL und als Mitglied der trinationalen Umweltkommission für den EuroAirport gab Fünfschilling an der Sitzung des Einwohnerrats zu verstehen, das Thema Lärm sei ein Dauerbrenner. Doch gemessen am zusätzlichen Fluglärm, der Binningen mit den Südanflügen droht, nimmt sich ein Rasenmäher wie ein kümmerlicher Knallfrosch aus.

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Während das Flugzeuggedonner auf eine höhere Instanz abgeschoben werden kann, geht das Gedröhn des Rasenmähers aufs Konto von Nachbarschaftslärm, der 90 Prozent aller Konflikte provoziert. Gut, dass nun die Technik einspringt und sich die Natur zunutze macht. Beim neusten Mäh-Gerät stand nämlich das Schaf Modell: Der «Solar Mover», ein computergesteuertes «Solarschaf», frisst das Gras wie im Schlaf.