Der Geruch des Sonntagsbratens ist eine bleibende Grösse. Kaum jemand in unserem satten Land, der damit nicht Erinnerungen verbände. In diesen Tagen ist die Welt des verzehrbaren Fleisches um ein wesentliches Element reicher geworden. Die Rede ist von der Geräuschfähigkeit der Würstchen.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Elektronische Musik untersuchte ein Lebensmitteltechnologe der Universität Graz die Knacklaute von «Frankfurtern». Deren Abbrech- und Abbeissgeräusche wurden in einer reflexarmen Schallkabine aufgenommen – mit frappantem Resultat. Je nach Räucherung der Haut und Kollagengehalt des Objekts ergab sich ein schlabbriges, plattes, hohes oder dumpfes Geräusch, und zwar unabhängig davon, ob betreffendes Gebiss im Heisshunger, zwischendurch oder zur ordentlichen Mahlzeit aktiv wurde, und egal, ob das Beisswerkzeug aus ersten, zweiten oder dritten Zähnen bestand.

Dies ist die eine Erkenntnis. Die andere steht der ersten in nichts nach. Die höchst unterschiedlichen Knackgeräusche zeitigten ebenso höchst unterschiedliche Wirkungen. Das Publikum, ohne Sicht- und Geruchkontakt zum Laut gebenden «Frankfurter», wertete ein «halbhelles, diskretes Knacken» als deutlich attraktiver denn ein «zerdehnt klingendes Abreissen» der Wurst. Fazit des Forschers: «Der Konsument fasst den Qualitätsbegriff weiter, als er ihn beschreiben kann.» Erkenntnis eins plus zwei belegen: Allein ein keckes Knacken kann einer langweiligen Wurst zu Attraktivität verhelfen. Die Chose nennt sich Produktedesign.

Auf einem höheren Energieniveau ist dies längst gang und gäbe. Der Motorenklang eines Porsches zum Beispiel macht einen wesentlichen Teil seiner Aura aus. Ein satt dröhnender Rasenmäher verspricht haarscharf rasierte Grünflächen. Und die 1.-August-Rakete wäre nichts ohne das Geräusch des himmelwärts zischenden Schubs.

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Warum, zum Teufel, sollte ein unbescholtenes Würstchen hier zurückstehen müssen?

Balz Horber, Geschäftsführer des schweizerischen Metzgermeisterverbands, will sich nicht von derartigen Prinzipien leiten lassen: «Am Ende kommt es immer auf den Inhalt an.» Neulich, erzählt er, sei ihm als grosse Innovation ein Käse vorgestellt worden, der beim Anbiss tatsächlich quietscht. Am Erfolg des Produkts wage er zu zweifeln: «Knackende Würste sind mir lieber als quietschender Käse.»

Ansonsten bleibt zur Rettung des inneren Friedens der alte helvetische Trick: Schüblig in die Ohren.