Kantonsgrenzen sind von alters her in Stein gemeisselt. Könnte man glauben. Ob- und Nidwalden belehren den Rest der Schweiz eines Besseren: Seit 70 Jahren haben Bauplaner, Ingenieure und Vermessungsfachleute beider Regierungen immer wieder über verstaubten Akten gebrütet und zehn umstrittene Abschnitte entlang der Kantonsgrenze unter die Lupe genommen. Teils lagen die Steine des Anstosses in unzugänglichem, garstigem Gebirge, teils tauchten gewisse Flächen doppelt auf, nämlich im Grundbuchplan ob und nid dem Wald. Und zu guter Letzt erhitzten sich die Gemüter auch noch an unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten.

1974 endlich nahm das delikate Grenzgeschäft konkrete Formen an. Doch der vielversprechende Anlauf sollte ein tragisches Ende finden: Beim Aufstieg mit einer Delegation ins Gebiet Storegg-Widderfeld zur Klärung eines fraglichen Grenzpunktes erlag der damalige Kantonsingenieur aus Obwalden, Otto Wallimann, einem Herzversagen. Aus Gründen der Pietät landete das Projekt für ein weiteres Vierteljahrhundert wieder in der Schublade.

Mittlerweile haben die beiden Urkantone zu einer freundnachbarlichen Zusammenarbeit gefunden; die Zeit war reif, endgültig über die Bücher zu gehen. Der Druck aus Bern, endlich eine Lösung zu finden, tat sein Übriges. Und wieder nahmen sich Vertreter beider Regierungen die verstaubten Akten vor, begaben sich auf Erkundungstouren und setzten sich mit betroffenen Grundeigentümern an einen Tisch. Die buchhalterische Bilanz: Nidwalden hat grosszügig – oder vielmehr einsichtig – klein beigegeben und insgesamt 24829 Quadratmeter an Obwalden abgetreten. Dieser Zuschlag entspricht der Fläche von insgesamt vier Fussballfeldern.

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Der Nidwaldner Kantonsingenieur Markus Gammeter, 46, kann aufatmen: «Vor wenigen Jahren wäre diese Lösung noch nicht möglich gewesen.» Als Mitglied der gemeinsamen Arbeitsgruppe hat er an einer Begehung am Storegghorn teilgenommen. Nicht so der Obwaldner Regierungsrat und Finanzdirektor Hans Wallimann, der bis Juni 2002 als Vorsteher des Planungs- und Umweltdepartements amtete. Er hat auf eine Exkursion ins garstige Gelände verzichtet.

Kantonsgrenze hin oder her: Der topografische Mittelpunkt der Schweiz liegt weiterhin in der Obwaldner Gemeinde Sachseln auf der Alp Älggi 1620 Meter über Meer. Daran gibt es nichts zu deuteln und zu rütteln.