«In der Umgebung des Wasserschlosses bei Gebenstorf ist ein Biberquäler am Werk. Unbekannte haben in die Weitden am Mündungsbereich von Aare, Reuss und Limmat Nägel geschlagen, welche die Nager ernsthaft verletzen können. Schon zum vierten Mal innerhalb eines Jahres seien die Stämme am Dienstag nach Nägeln abgesucht worden, teilte Pro Natura Aargau mit, Drei Dutzend der Stahlstifte habe Biberbeobachter Alfred Schärer aus dem Holz gezogen. Beim Wasserschloss leben etwa 20 bis 20 Breitschwänze...» Aus: Aargauer Zeitung

Alfred Schären hält inne. Das Laub vor dem angenagten Baumstamm am Ufer der Aare macht ihn stutzig. «Die Blätter», findet er, «können weder von den Bibern noch von sonst einem Tier stammen.» Als er das Laub zur Seite wischt, sieht er den Grund für den säuberlichen Blätterhaufen: zahlreiche, fünf Zentimeter lange Nägel sind in den Baum geschlagen. Genau an der Stelle, wo die Biber mit ihren Nagezähnen an der Arbeit sind. Für Schären ist klar: «Da ist wieder jemand hinter den Bibern her.»

Nicht zum ersten Mal sollen die Tiere im Ufergebiet von Stilli getötet werden. Allein im letzten Jahr hat Schären über 50 Nägel aus den Bäumen gezogen. In den letzten zwei Wochen hat er 32 weitere entdeckt. «Ich kann einen solchen Hass nicht verstehen», sagt der Naturfreund. Bis anhin ist es ihm gelungen, die Nägel sofort zu entfernen, so dass noch kein Biber verletzt worden ist.

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Seit acht Jahren wohnt die Biberfamilie am Mündungsbereich von Aare, Reuss und Limmat. Als Spaziergänger damals auf eine angenagte Weide am Ufer aufmerksam wurden, dachte man erst an Schnitzereien von Schulbuben. Nur Schreinermeister Alfred Schären konnte dies nicht glauben. Er legte sich auf die Lauer und sichtete bei Nacht und Nebel die neuen Bewohner – Bibermännchen und Biberweibchen mit ihrem Nachwuchs. «Seither hat mich das Biberfieber gepackt», sagt der Tierschützer.

Jede freie Minute verbringt er nun im Biber-Biotop, kennt den moschusähnlichen Geruch der Tiere, ihre Burg, ihre Nahrungsorte. «Hätte ein Biber an diesem Baum genagt, würde ich es riechen», sagt er. Kein Wunder, empört er sich jetzt: «Dass die Nager nicht bei allen willkommen sind, ist mir bekannt. Doch so geht man doch nicht mit Tieren um.» Breche ein Zahn oberhalb der Wurzel ab, könne das bei Bibern zu Entzündungen führen, die die Tiere am Fressen hinderten. Der Tod ist die Folge.

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Hinter den Anschlägen vermutet Schären jemanden, dem viel an der unberührten Natur in der Umgebung des Aargauer Wasserschlosses liegt. An der Aare sind die Spuren der Biber sichtbar: Zahlreiche Silberweiden sind angenagt, manchmal so sehr, dass der Baum absterben könnte. Doch der Biber ist geschützt – vor rund 40 Jahren hat man ihn in der Schweiz ausgesetzt, weil er hier ausgestorben war. «Dass man die Tiere nun wieder ausrotten will», sagt Schären, «ist mir unbegreiflich.» Wohl nicht nur ihm.