Vom Parkplatz der «Schönegg» aus kann man wunderbar den Blick schweifen lassen. Den bewaldeten Hügeln entlang, dann ins Tal hinunter nach Oberdiessbach, über das Aaretal bis zur Stockhornkette. Idyllisch, dieses Aeschlen mit seinen 313 Einwohnern, zwischen 700 und 1100 Metern über Meer gelegen. Ein Restaurant, eine Brüterei, ein Autoabbruchbetrieb, ein paar Handwerksbetriebe. Die Post ist schon seit Jahren geschlossen.

Aber Aeschlen hat ein Problem, ein gravierendes: In der Gemeindekasse fehlen 300'000 Franken. Ein Vorschuss an die unrentable Wasserversorgung muss abgeschrieben werden und belastet die Bilanz. Die Steuereinnahmen sind tief, der Steuerfuss ist hoch, und kapitalkräftige Neuzuzüger sind mangels eingezonten Baulandes nicht in Sicht. Die Sanierung des Schulhauses wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Für den Wald, den die Gemeindeversammlung aus purer Geldnot zum Verkauf freigab, gibt es nur wenige Interessenten. Nur knapp konnte verhindert werden, dass das Dorf «gevogtet» wird, wie man hier sagt: dass der Kanton über Budget und Ausgaben entscheidet.

Dem mochte Gemeinderat Adrian Röthlisberger nicht mehr länger zusehen. «Nützts nüt, so schads nüt», habe er sich gedacht und in der Altjahrswoche «äs Textli zämebrittlet». «Kleine, hübsche Berggemeinde als Erbe, Ihnen zu Ehren», schrieb der aus dem Unterland Zugewanderte, «unsere kleine Gemeinde mit zirka 300 Einwohnern steckt in finanzieller Not und ist sehr dankbar für jeden Beitrag (auch Spenden)!»

Das «Textli» platzierte Röthlisberger, beruflich im Annoncengeschäft tätig, in der NZZ und im «Bund». Die 357 Franken für die beiden Inserate bezahlte er aus der eigenen Tasche. «Die Gemeinde kosten sie keinen Rappen.» Er habe die Aktion auch mit niemandem im Gemeinderat abgesprochen, «das war reine Privatinitiative».

Das Inserat bringt dem umtriebigen Gemeinderat nun mehr Echo, als er gehofft hatte, auch von einer eher unerwarteten Seite: Der «Bund» berichtete über Aeschlens Finanznot und Röthlisbergers Idee mit dem Inserat, das Fernsehen war da, und sogar ein Redaktor von der Hamburger Zeitschrift «Spiegel» rief an.

Auch Spenden sind mittlerweile eingetroffen, «mehrere tausend Franken», wie Röthlisberger dankbar bemerkt. Er will nun persönlich dafür sorgen, dass allfällige Wohltäter «auf Franken und Rappen genau» vorgerechnet bekommen, wofür ihr Geld eingesetzt wird. Ausgeblieben ist bisher nur die grosse Erbschaft. Doch Röthlisberger hofft weiter: «So ein Testament muss zuerst geschrieben werden.»

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