«Sieben Stunden dauerte die Aktion», sagt Siegfried Albertin, Oberst im Generalstab, und blickt stramm in die Höhe. Doch dort thront der Schwarzstock wie gewohnt über dem Tal, es ist ruhig – nur ein Lüftchen weht über die idyllische Anhöhe unweit von Unteriberg, einem kleinen Dorf im Kanton Schwyz.

Kaum zu glauben, dass hier wenige Tage zuvor ein Spektakel mit überwältigendem Brimborium stattgefunden hat. Superpuma-Helikopter flogen mit Baumstämmen ins Tal, um Sicherheitsdämme zu errichten, und Feuerwehrleute sperrten das Gelände ab, damit Hunderte von Schaulustigen aus sicherer Distanz eine höchst sonderbare Szene beobachten konnten. Alle wollten dem Ereignis beiwohnen: Mensch bezwingt Natur. Im Klartext: Soldaten schiessen gefährlichen, weil losen Felsen ab.

«Den Panzer haben wir auf einen Hügel gefahren, direkt neben die Hirschkapelle, die rund eineinhalb Kilometer vom Felsblock entfernt ist», erzählt Oberst Albertin stolz. Alles war bis ins kleinste Detail geplant. Denn dass der Felsen wackelt, war schon länger bekannt. «Wir sperrten das Gebiet ab, weil es für die Anwohner zu gefährlich wurde», sagt Jakob Fässler, Gemeindepräsident von Unteriberg. «Jeden Moment hätte sich der Brocken lösen können.» So war sich der Gemeinderat schnell einig: Der Fels muss gesprengt werden. Mit Hilfe eines Geologen war denn auch klar, wie die Explosion zu vollziehen ist: «Ein Panzer hat den Vorteil, dass der Sprengstoff nicht direkt an den Fels angebracht werden muss. Die Munition kann aus Distanz abgefeuert werden», erklärt Fässler. «Alles andere wäre zu riskant gewesen.»

Oberst Siegfried Albertin erhielt den Auftrag, mit seiner Truppe und einem Panzer 68 Stellung zu beziehen. Punkt zehn Uhr gab er an jenem Morgen im Mai den Schiessbefehl. Nach über 60 Schüssen – mit so genannter Quetschkopf-Munition – war es am Abend soweit: Der grösste Teil des Felsens war abgeschossen, rund 800 Kubikmeter Gestein lagen zerstückelt in den angrenzenden Wäldern verteilt. Eine teure Übung: 700 Franken kostete jeder einzelne Schuss. Die stattliche Summe von 42'000 Franken wird der Bund berappen.

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«Der Einsatz ist uns jedenfalls billiger gekommen, als wenn wir die Munition hätten entsorgen müssen», verteidigt Siegfried Albertin den aussergewöhnlichen Auftrag. Denn der bejahrte Panzer hatte in Unteriberg wohl seinen letzten Einsatz: «Im Zug der Armeereform wird der Panzer aus dem Verkehr gezogen», weiss der Oberst.