Der Zürcher SP-Kantonsrat Hartmuth Attenhofer gehört zur seltenen Spezies von Politikern, die selbst bei der Ausübung ihres Amts den Sinn für Humor bewahren. Zum Beispiel reichte Attenhofer, seines Zeichens Generalsekretär der Gesellschaft zur Förderung der Biervielfalt, vor einiger Zeit einen Vorschlag ein, wonach die Kaffeepause im Kantonsrat in eine Bierpause umzuwandeln sei. Das Traktandum kam – wie könnte es anders sein? – an einem 1. April ins Plenum.

Diesen Sommer doppelte der Volksvertreter mit einer Anfrage nach, die sich auf die Abstimmung über die Registrierung gleichgeschlechtlicher Paare bezog. «Wäre der Regierungsrat im Zuge der Gleichberechtigung der Geschlechter bereit, den doppelten männlichen Löwen im Logo gegen ein Löwenpaar auszutauschen?», wollte Attenhofer wissen. Und liess der Regierung einen «schönen Steilpass» zukommen, auf den sie «mit Humor hätte antworten können», wie er rückblickend sagt. Als Wink mit dem Zaunpfahl hiess es in der Anfrage: «Oder würde der Regierungsrat an den beiden männlichen Löwen im Logo festhalten wollen, weil er sie als frühe Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften interpretiert?»

Mit seinem Gegenstand hatte sich Attenhofer gründlich auseinander gesetzt. Er hatte beobachtet, dass das Logo oft zwei männliche Löwen zeigt, manchmal aber auch nur einen, manchmal gar keinen. Einmal hatte das Tier eine rote Zunge, einmal einen roten Penis, einmal nichts von alledem. «Ein Wirrwarr, der nach Abhilfe ruft», scherzte der Votant.

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Doch in Sachen Logo versteht der Regierungsrat keinen Spass. Erstens schob er das Geschäft auf die lange Bank und verpasste es, vor der Abstimmung über die registrierte Partnerschaft vom September eine passende Antwort zu liefern. Zweitens antwortete er in trockenstem Amtsdeutsch: Die zwei Löwen würden «weiter verwendet», denn «die Neugestaltung eines Logos» läge zurzeit «ausserhalb der finanziellen Verhältnisse des Kantons».

Das Beispiel zeigt, wie wenig mit Wappen und Logos zu scherzen ist. Zürich ist da kein Einzelfall. Auch in anderen Kantonen und Städten führte die Abänderung offizieller Symbole zu Protesten – bis hin zu wütenden Zuschriften und hitzigen Volksabstimmungen. Der Kanton Schwyz, die Stadt Zug oder die Stadt Bern können ein Lied davon singen: Der abgeschaffte Berner Bär etwa wurde per Volksinitiative wieder zurück aufs Briefpapier geholt.

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