Es könnte so friedlich sein in Kaiserstuhl. Das Aargauer Städtchen am Rhein bezaubert durch seinen märchenhaften Charme. Die Fassaden der jahrhundertealten Häuser sind sorgfältig herausgeputzt, und eine imposante Tafel weist Fremde auf die Reste der alten Stadtmauer hin.

Zu Recht sind die knapp 400 Einwohner stolz auf ihr Städtchen. Wäre da nicht das hässliche Betonrondell, das kürzlich mitten in der Altstadt erstellt wurde. «Ich glaubte zu träumen, als ich diesen Trog das erste Mal sah», sagt Paul Grob, ein Künstler oder «Macher», wie er sich selber nennt, der unweit vom Stein des Anstosses ein Atelier besitzt. Und Hans Zesiger, ein anderer verärgerter Kaiserstuhler, doppelt nach: «Jede Änderung der Häuserfronten wird hier mit Argusaugen beobachtet, jede Türfalle muss erst bewilligt werden. Doch diesen Klotz Beton haben die Behörden erlaubt, ohne mit der Wimper zu zucken.»

Laut Stadtverwaltung ist die Planung des Rondells, in das dereinst eine Linde gepflanzt werden soll, korrekt durchgeführt worden. Selbst die Denkmalpflege des Kantons Aargau habe ihren Segen dazu gegeben. «Eine Linde dortdrin?» Paul Grob schüttelt ungläubig den Kopf. «Wie soll die überleben können?»

Item. Grob ist keiner, der nur ausruft. Den «blinden Verantwortlichen» müsse man den Spiegel vorhalten, fand er. Tüftelnd zog er sich in die Werkstatt zurück. Tags darauf war sein Werk vollbracht. Er setzte einen aus Styropor gefertigten pinkelnden Hund auf den Erdhaufen in das Rondell. «Er sollte so hässlich wie der Betontrog sein», sagt der Künstler, «und symbolisch für das verschandelte Stadtbild stehen.»

Anzeige

50 Tage durfte der Hund im Trog ausharren. Dann wurde Grob offiziell aufgefordert, «sein Kunstwerk» zu entfernen. Was er auch tat, obwohl er sämtliche Kaiserstuhler hinter sich hatte. «Ich bekam von allen Seiten Komplimente», erzählt er.

Der zweite Streich folgte kurze Zeit später – weil der Trog weiterhin trist vor sich hin darbte. In nächtlicher Stunde errichtete Grob einen Grabstein, ebenfalls aus Styropor, mit der Aufschrift: «Hier liegt der Hund begraben.»

Doch diese zweite Performance dauerte lediglich ein paar Tage; auch das Hundegrabmal, an dem Bewohner sogar Blumen niedergelegt hatten, musste weg. Denn in der Zwischenzeit wurden die Behörden selber kreativ aktiv: Während der Weihnachtszeit schmückt ein Tannenbaum im Betontrog das Ortsbild von Kaiserstuhl.

Wenn die Festtage vorüber sind, kann wieder mit dem umtriebigen Paul Grob gerechnet werden – sein dritter Streich folgt ganz bestimmt.

Anzeige