In Sachen unsinnige Strassentransporte ist man ja allerhand gewohnt. Ob Bretzeln oder Rüebli – weil sie anderswo billiger verarbeitet werden können, legen sie Tausende von Strassenkilometern zurück. Aber jetzt das: Ein Sattelschlepper mit einem neuen SBB-«Neigezug», so die «Basler Zeitung», bleibt wegen blockierter Bremsen auf dem Weg von Berlin nach Pratteln auf dem Basler Aeschenplatz liegen. Mitten in der Stadt hindert er Velos, Autos und Trams am Weiterkommen – das totale Durcheinander. Die Polizei erscheint, die Basler Verkehrsbetriebe setzen Ersatzbusse ein. «Für unseren Extraaufwand gibt das eine gesalzene Rechnung», sagt BVB-Sprecher Pius Marrer. Der Transport per Tieflader auf der Strasse sei billiger gewesen als auf der Schiene, heisst es im Zeitungsartikel.

Stimmt nicht, erfährt man von Bombardier Schweiz, der früheren Adtranz respektive Schindler. Projektleiter Daniel Forrer erklärt: «Erstens war das kein ganzer Zug, sondern nur ein Wagenkasten auf dem Weg zur Endmontage. Und zweitens gaben nicht die Kosten, sondern die Vorschriften den Ausschlag, das 26 Meter lange und 12 Tonnen schwere Ding auf der Strasse statt auf der Schiene zu transportieren.»

Auf den 800 Autobahnkilometern von Berlin bis Basel gab es keine Probleme, doch ab der Schweizer Grenze musste der Sattelschlepper die letzten zehn Kilometer unter Polizeibegleitung auf Kantonalstrassen zurücklegen – mitten durch die Stadt. So wollten es die Schweizer Vorschriften, die festlegen, dass Autobahnen für einen solchen Sondertransport tabu sind. Ohne das Malheur am Aeschenplatz wäre der teure helvetische Extrazug gar nie publik geworden.

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So aber nahmen die Dinge ihren Lauf – mit überraschendem Ausgang. Denn während der Beobachter-Recherchen scheint sich bei der Basler Polizei der gesunde Menschenverstand durchgesetzt zu haben. Ab sofort dürfen die Wagenkästen kraft einer Ausnahmeregelung bis Pratteln auf der Autobahn bleiben. Trotz dem Happy End: Mit patriotisch-ökologischer Wehmut denkt man an die Tage zurück, als hierzulande ganze Züge gebaut und direkt auf die Schiene gesetzt wurden. Doch die Zeiten von BBC, SIG, Sulzer und Schindler sind vorbei. Erfolgreichster Schweizer Eisenbahnhersteller sind heute SVP-Nationalrat Peter Spuhler und seine Stadler AG mit Werken in Bussnang, Altenrhein und Berlin. Von dort schickt er seine neuen Prototypen per Flugzeug in die USA. Mit russischen Transportmaschinen und ohne Umweg über den Aeschenplatz.

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