Jeder Mensch hat seinen eigenen Horizont. Mindestens tagsüber. Nachts vereinheitlicht sich der Ausblick. Nach oben.

An Neujahr 1801 sichtete Pater Giuseppe in Palermo ein neues Objekt in seinem Fernrohr. «Ceres», ein rund 1000 Kilometer langer Fels zwischen Mars und Jupiter, wurde zum ersten registrierten Asteroiden. Inzwischen sind über 10'000 seiner Art getauft worden; «Colpa» zum Beispiel, «Theotes», «Krylania», «Oja», «Nunes». Asteroiden sind so alt wie das Sonnensystem: 4,6 Milliarden Jahre. Ein Täufling heisst jetzt «Eugster».

Die Nachricht traf Otto Eugster aus heiterem Himmel. «Ich war überwältigt. Dieser Name gilt für die Ewigkeit!» Die Internationale Astronomische Union hatte entschieden, den Asteroiden «1981 EX 43» nach dem Berner Physikprofessor zu benennen. Eugster erwarb sich in der Meteoritenforschung grosse Verdienste.

«Eugster» kreist rund 450 Millionen Kilometer vom Geehrten entfernt. Eugster hat «Eugster» nie zu Gesicht bekommen. Teleskope sind nicht sein Arbeitsinstrument.

Otto Eugster ist Vater von zwei Söhnen, besitzt ein Eigenheim mit sieben Zimmern und pendelt die sechs Kilometer zwischen Gümligen und Bern. 2003 wird sein letztes Amtsjahr an der Universität sein; er wiegt 64 Kilo und ist 1,68 Meter gross.

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Der Raum, den «Eugster» durchmisst, ist beträchtlich. Ein Würfel mit der Grundfläche des Kantons Aargau hätte darin 36 Trilliarden Mal Platz. «Eugster» hat einen Durchmesser von der Länge des Sempachersees. Bis sein Licht die Erde erreicht, vergehen 30 Minuten.

«So schnell wird man wieder 20», sagt der Professor. Für den anderen «Eugster» dauert ein Jahr nämlich dreimal so lang. An Fitness fehlt es dem Gelehrten nicht. Als Orientierungsläufer war er in der Schweizer Nationalmannschaft, und er kennt allerlei Tücken von Golf- und Tennisbällen.

Stiesse «Eugster» je mit der Erde zusammen, wäre dies der Tod für die meisten Menschen und Tiere. Die Energie des Aufpralls würde unsere Kugel in ein Feuermeer verwandeln. Dem Aschenregen folgten Kälte und Dunkel. Diesen GAU aber hält der Professor für «ausgeschlossen».

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Seit «Ceres» wurden zwischen Jupiter und Mars 52'224 Asteroiden entdeckt. 10145 davon tragen schon einen Namen. Nach «Eugster» waren dies: «Chanal» und «Kogo», «Itoh» und andere. Otto Eugster sagt: «Je mehr man weiss, umso mehr staunt man.»

Wer staunt, sucht nach Namen. Namen verschaffen einen Anflug von Nähe. Nachts, vor allem.