«Die Kontrolleure laufen Sturm» betitelte der Beobachter vor gut zwei Jahren einen Bericht über die Absicht des Bundes, die gesetzliche Grundlage für die staatliche Pilzkontrolle abzuschaffen. Ein höchst umstrittenes Vorhaben: Peter Kaupp, Pilzkontrolleur in Basel und Präsident der Schweizerischen Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane (Vapko), kritisierte die Abschaffung als «Blödsinn» und Schreibtischtat.

Doch auch die Bildauswahl für den Beobachter-Artikel fand mit Sicherheit am Schreibtisch und nicht im Wald statt: Entgegen der Bildlegende war darauf nämlich kein Steinpilz, sondern ein Eierschwamm zu sehen.

Nun liefen nicht die Pilzkontrolleure Sturm, sondern die Beobachter-Leserinnen und -Leser – zumindest die pilzsammelnden unter ihnen. Eine wahre Flut von Briefen, Faxschreiben und E-Mails brach über die Redaktion herein. Das Zollamt Buchs SG, die Gemeindeverwaltung Dinhard ZH, das Laboratorium für Kristallographie der ETH Zürich, der Wirt des Restaurants Hirschen: Sie alle und unzählige weitere stellten ihre Kenntnisse in Sachen Mykologie (wie die Pilzkunde wissenschaftlich heisst) unter Beweis.

«Wie wäre es mit der Einrichtung einer Beobachter-eigenen Pilzbild-Kontrollstelle?», fragte Roman Bundi aus Haldenstein GR. Seither weiss auch die Beobachter-Bildredaktion, dass Steinpilze im Gegensatz zu Eierschwämmen keine Lamellen, sondern Röhren aufweisen und dass sie fast doppelt so viel Eiweiss und Kohlenhydrate, dafür nur halb so viel Vitamin C haben. Eins hielten uns auch die kritischsten Pilzler zugute: Sowohl Steinpilz wie Eierschwamm sind essbar; eine Verwechslung wäre also nicht so tragisch.

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Vom Sturmlauf von damals ist nicht mehr viel übrig geblieben. Vapko-Sekretär Hans-Peter Neukom bedauert zwar nach wie vor, dass der Bund den Kantonen nicht mehr vorschreibt, eine Pilzkontrolle anzubieten. Aber zu einem Kahlschlag ist es nicht gekommen. Die Behörden könnten es sich kaum leisten, eine so populäre Dienstleistung abzuschaffen, meint Neukom. Zudem ist zusammen mit dem Bundesamt für Gesundheit eine Aufklärungskampagne mit dem schönen Titel «Pisa – Pilzsicherheit für alle» in Planung.

Ende gut, alles gut also? Zumindest ist, als Schlusspunkt dieser Beobachter-Jubiläumsnummer, die Anklage des versierten Pilzsammlers Carlo Cabassi aus Freienbach SZ widerlegt: Warum nur, so schrieb er uns nach dem Steinpilzlapsus, berichtet der Beobachter eigentlich immer über die Fehler der anderen, aber nie über die eigenen?

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