Auf dem weiten Feld, das zwischen Balsthal und Laufen liegt und umgeben ist von Buchen, Tannen und Föhren, tummeln sich 360 Schweine. Ihre Zahl ist seit Jahrzehnten dieselbe; sie sind eingehegt nach der Regeln der Zucht. Es handelt sich – grob gerechnet – um 60 Muttersäue, 200 Jungsauen und 100 Ferkel. Wie alle ihrer Artgenossen, die verstreut sind auf dem satten Teil der Erde, verzehren sie zwischen drei und fünf Kilo Futter pro Tag: Weizen, Gersten, Fischmehl, Trockentrester und Kleie. So weit, so gut.

Im Oktober vergangenen Jahres zogen zwei Gendarmen über das solothurnische Feld. Ihr geschärftes Auge verweilte sogleich an den malerisch gezackten Blättern im Gehege. Es handelte sich, wie sich bei näherem Hinsehen herausstellte, um sage und schreibe 220 Hanfstauden. Die beiden Herren stellten zehn Proben davon sicher – und erblassten wenig später beim Anblick des Laborberichts. Die sichergestellten Pflanzen hatten einen Tetrahydrocannabinol-Gehalt zwischen 1,9 und 7,3 Prozent. Zugelassener Grenzwert: 0,3 Prozent.

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz wird mit Gefängnis oder Busse bestraft. In schweren Fällen mit Zuchthaus «nicht unter einem Jahr».

«Das Thema ist von sensitiver Natur», befand der Statthalter vom Amtsgericht Dorneck-Thierstein. Es war inzwischen Frühling geworden. Volle sieben Monate hatten die 360 Schweine seit der Anklage im Hanf gestanden; bei einem Konsum von 200 Gramm pro Sau pro Tag ergibt dies 15 Tonnen Cannabis, total. Im schmucklosen Saal sass wenig Publikum. Der Landwirt gab freimütig Auskunft: Nein, er habe nie Haschisch konsumiert. Nein, er habe nie mit Cannabis gehandelt. Er habe nicht gewusst, dass seine Pflanzen einen derart hohen Tetrahydrocannabinol-Gehalt hätten. Bereits sein Grossvater habe Hanf für die Schweine gezogen. Im Übrigen kifften auch seine Kollegen nicht. Er selbst wisse nicht, wie Haschisch schmecke.

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Die Verhandlung dauerte wenig mehr als eine halbe Stunde.

Neben ihrer täglichen Nahrung benötigen Schweine so genannte Beschäftigungsmittel. Dazu geeignet sind Eiweiss-Stroh, Nageholz oder Silagen. Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Nutztiere in Bosieux FR bescheinigte dem Amtsgerichtsstatthalter von Dorneck-Thierstein, dass ganze Hanfpflanzen diesen Zweck durchaus erfüllen können. Der Tetrahydrocannabinol-Gehalt sei für die Tiere dabei nicht relevant.

Bekanntlich ist das Betäubungsmittelgesetz für Nutztiere ausser Kraft. Dem angeklagten Bauer konnte weder Handel noch Konsum nachgewiesen werden. Er wurde in allen Belangen freigesprochen. Und sonst?

Samuel Bichsel, Präsident des schweizerischen Schweinehalterverbands, bescheinigt den Tieren eine «grundsätzlich stabile Gemütslage»; von Rauschzuständen infolge Cannabisbeschäftigung sei ihm nichts bekannt.

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