Der Vorfall zählt zu den besonders neckischen Polit- und Medienschmankerln des Jahres. Die handelnden Personen und das Objekt sind: Karlheinz Ospelt, seit 1995 Bürgermeister der «Ländle»-Hauptstadt Vaduz; Dani Sigel, der neue Verlagsleiter des «Liechtensteiner Volksblatts», sowie eine würzig gelbe Paste, die meist zu Würsten gereicht wird und Verdauung und Durchblutung fördern soll – Senf. Fehlt die rassige Würze, kann das Blut dennoch in Wallung kommen, wie diese Geschichte zeigt. Doch erzählen wir der Reihe nach.

Alles begann damit, dass Verlagsleiter Sigel im diesjährigen Sommerloch auf der Titelseite die Frage stellte: «Wann fällt das Senfverbot, Herr Bürgermeister?» Sigel schrieb, der Gemeindechef habe 1998 ein entsprechendes Verbot auf dem Vaduzer Fussballplatz erlassen, das seither weitherum für Kopfschütteln sorge. Als Kronzeugen zitierte er unter anderen einen Vizedirektor der Schweizer Fussballnationalliga, der das Senfverbot als «völligen Schwachsinn» wertete. Immerhin mischt der FC Vaduz im Mittelfeld der Schweizer Nationalliga B mit.

Was Sigel besonders ärgerte: Ospelt verweigerte eine Stellungnahme zum Problem. «Das ist nicht eine Sache, mit der sich der Bürgermeister beschäftigt», liess der Gemeindechef verlauten.

Es war der Startschuss zu einem veritablen Städtletheater, bei dem sich das Konkurrenzblatt «Liechtensteiner Vaterland» hinter Ospelt stellte und dem unbotmässigen «Volksblatt»-Verlagsleiter den Übernamen «Senf-Dani» verpasste. Sigel, Schwiegersohn von Ospelts Amtsvorgänger, musste sich zudem vorwerfen lassen, Parteipolitik zu betreiben.

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In den Leserbriefspalten begann der Wahlkampf, läuft doch die zweite Amtsperiode des Bürgermeisters Ende Januar 2003 ab. An bösen Worten wurde nicht gespart. Ein Leser namens «W. P.» zum Beispiel nannte Ospelt einen «kleinen Diktator, der baldmöglichst abgewählt» gehöre.

Schliesslich übernahmen der Sportplatzchef und der Liegenschaftsverwalter der Gemeinde die Verantwortung: Verschmutzte Kleider und aufwändige Reinigungsarbeiten seien der Grund für das Senfverbot gewesen. Und auch der viel gescholtene Sigel hängt die Sache mittlerweile tiefer: «Früher hiess es ‹Brot und Spiele›. Ich habe ganz nach dem Motto gehandelt: ‹Gib den Leuten ihren Senf.›»