Die gute Nachricht kam aus Lausanne. Die deutschsprachige Familie Amrein aus Granges-Paccot, einem mehrheitlich welschen Dorf bei Freiburg, war wegen der Einschulung ihres Sohnes Fabrice ans Bundesgericht gelangt. Das Urteil der Richter: Der Junge müsse nicht die welsche Dorfschule besuchen, sondern dürfe im Kantonshauptort in deutscher Sprache die Schulbank drücken. Schulgeld und Transport seien von den Eltern zu berappen – rund 3000 Franken pro Jahr.

Dem Entscheid war ein zweijähriges Seilziehen vorausgegangen, das «viel Nerven kostete», wie Mutter Madeleine Amrein sagt. Die Familie habe einen Anwalt nehmen müssen, die Korrespondenz mit Behörden und Gerichten fülle «einen ganzen Bundesordner». Die Stationen des Hürdenlaufs: Gesuch an die Schulinspektion – ablehnender Entscheid; Rekurs bei der Erziehungsdirektion, wieder ein Nein; Rekurs beim Verwaltungsgericht, dritte Absage; schliesslich Klage beim Bundesgericht.

Was sind die Gründe für dieses Schulbeispiel an Bürokratie? Die beteiligten Behörden und Richter berufen sich auf das Territorialitätsprinzip. Dieses regelt im Kanton Freiburg die Verteilung der Sprachen und somit auch die Einschulung. Je nach Wohnort wird der Nachwuchs entweder auf Deutsch oder auf Französisch unterrichtet. Mit diesem Prinzip soll der «germanisation», der von den Welschen gefürchteten Ausbreitung der Deutschschweizer und ihrer Sprache, ein Riegel geschoben werden.

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Die Amreins aber pochen auf die verfassungsmässig garantierte Sprachenfreiheit und auf die freie Schulwahl, die den Eltern laut Gesetz zusteht. Das Bundesgericht teilt diese Ansicht und stuft das Territorialitätsprinzip als untergeordnet ein. Dem Wunsch der Amreins, ihre Kinder sollten in der Muttersprache sattelfest werden und Französisch als Zweitsprache lernen, steht somit nichts mehr entgegen.

Solche «Sonderwünsche» der deutschsprachigen Minderheit lösen bei vielen Welschen heftige Abwehr aus. Ein Nachbar der Amreins, Mitglied der Schulkommission, wetterte einmal am Gartenzaun: «Wir werden von euch Deutschschweizern aufgefressen!» Den Dorfbehörden weicht die Familie seither aus. Diese hätten versucht, auf Zeit zu spielen, meint die Mutter; «deshalb musste Fabrice ein halbes Jahr auf Französisch zwangseingeschult werden». Madeleine Amrein deutsch und deutlich: «Wir sind doch hier nicht auf Kuba!»

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