Die Einstichstelle ist auch noch nach sechs Wochen gerötet und voller Blasen. «Manchmal wird der Arm schwer, und die Knochen tun weh», erzählt Sonja Müller. Die 31-jährige Hausfrau war von einem Skorpion der Art Buthus babykurus kiri ins Handgelenk gestochen worden – nicht irgendwo in der Wüste Afrikas, sondern im «Nelson Pub» in Kloten ZH.

Mitternacht war vorbei, Sonja Müller hatte soeben eine Partie Tischfussball gewonnen. Mit der Hand stützte sie sich auf einer Sofalehne ab. Plötzlich durchzuckte sie ein stechender Schmerz. «Ich dachte, ich hätte eine brennende Zigarette berührt», erinnert sich Müller. Sie setzte sich auf die Sofalehne und rieb sich das Handgelenk. Der Arm schwoll augenblicklich an.

Da rief ihre Freundin: «Jesses, du hast eine Megaspinne auf dem Rücken!» Sonja Müller, die panische Angst vor solchen «Viechern» hat, sprang auf und wischte das Tier weg. Es fiel direkt vor die Füsse eines Pubbesuchers. Auf dem Teppich lag keine Spinne, sondern ein drei Zentimeter langer Skorpion.

Jetzt kam Leben ins Lokal. Mit einem Handtuch band eine Pubangestellte Müllers Arm ab. Ein junger Mann fing den Skorpion mit einer Zigarettenplastikhülle ein. Jemand schrie hysterisch: «Die stirbt, jetzt stirbt sie!» Sonja Müller weinte.

Anzeige

Kurze Zeit später traf die Ambulanz ein. Die Lebensretter waren erst mal ratlos. Nach einem Anruf ins Schweizer Tropeninstitut war klar: Sonja Müller musste zur Überwachung ins Spital. Der Skorpion kam zur Identifikation auf den Polizeiposten.

«Ich hatte Todesangst», erinnert sich die Hausfrau an die schrecklichen Stunden auf der Intensivstation im Spital Bülach ZH. Ihr Gesicht schwoll an. Die Ärzte durften ihr keine Medikamente gegen die starken Schmerzen geben, da der Verlauf der Vergiftung genau überwacht werden musste. Man befürchtete eine Herzmuskellähmung. Doch nichts dergleichen geschah. Zum Glück. Die Patientin durfte das Spital nach zwei Tagen verlassen.

Am gleichen Tag starb der Skorpion, trotz der Obhut eines Reptilienspezialisten der Zürcher Kantonspolizei.

Woher das afrikanische Tier kam, ist bis heute ungeklärt. Polizeisprecher Hans Leuenberger: «Vermutlich hat ein Gast das Gifttier versehentlich in der Tasche aus den Afrikaferien mitgebracht.» Sonja Müller hat ihr Stammlokal gewechselt.

Anzeige