Wenn sich im aargauischen Unterentfelden einer mit der Tierwelt sehr gut auskennt, dann ist das Silvio Caprani. Der 57-jährige Gipsermeister war jahrelang Jäger und Jagdaufseher und ist heute noch im Vorstand des Kleintierzüchtervereins.

Am meisten aber liegt ihm das Wappentier seiner Gemeinde am Herzen, die Stockente. «Im Schwemmgebiet der Suhre gab es immer Enten», sagt Caprani. Deshalb sei das Tier bereits 1810 aufs Siegel der Gemeinde gekommen. 1947 wurde schliesslich das heutige Wappen kreiert: die braune Ente auf gelbem Hintergrund.

Diese Farbgebung ist in Unterentfelden zum heiss umstrittenen Politikum geworden: Wenn am Abstimmungssonntag vom 18. Mai landesweit über wichtige Themen wie Krankenkassenprämien, Atomkraft oder Mietrecht abgestimmt wird, müssen die 3200 Unterentfeldner Stimmbürgerinnen und Stimmbürger auch über das Schicksal ihrer amtlichen Ente befinden.

Grund für die emotionale Aufwallung ist ein Verdikt des Kantons: Zum bevorstehenden 200-Jahr-Jubiläum sollen im ganzen Kantonsgebiet heraldisch korrekte Gemeindewappen gelten. Weil die offizielle Heraldik nach reinen Farben wie Rot, Gelb oder Blau verlangt, beschloss die Unterentfeldner Gemeindeversammlung letztes Jahr, dem Wappenvogel ein rotes Federkleid zu verpassen. Der Entscheid fiel hauchdünn mit 55 zu 53 Stimmen. «Das ist doch völlig gegen die Natur!», protestierte Silvio Caprani und ergriff das Referendum. «Ein Wappen ändert man nicht einfach so, da muss das ganze Volk entscheiden.»

Wappenstreit hat in Unterentfelden Tradition. 1948 sollte die Ente durch einen «halben schwarzen Adler» ersetzt werden – was die Bevölkerung ablehnte. Auch heuer spaltet die Ente die Bevölkerung. «Das Wappen wird nicht geändert», sagt die Verkäuferin in der Bäckerei forsch. Im «Bären» tönt es versöhnlicher. «Wir haben wichtigere Probleme», meint der Wirt und fügt vielsagend an: «Eines Tages gibts sowieso nur noch ein Wappen.» Damit spielt er auf die Fusion von Unter- und Oberentfelden an: Schule, Zivilschutz, Männerchor sind bereits vereint.

Ein politischer Zusammenschluss sei vorläufig jedoch nicht geplant, heisst es auf der Gemeindeverwaltung. Dabei könnte ein solcher Schritt schlagartig auch das Wappenproblem lösen: Oberentfeldens Flagge ziert eine schwimmende Ente, deren Federkleid von jeher blütenweiss ist.