Die Griffe passen bequem in die Handfläche. Die Feder ist ein Musterbeispiel altehrwürdiger Handwerkskunst. Die beiden Bolzen sehen aus, als ob sie für die Ewigkeit gemacht wären. Die Billettzange der SBB-Zugbegleiter ist ein Meisterwerk aus verchromtem Stahl – und bald ein Museumsstück.

Die Anfertigung der Krienser Apparatebaufirma Koller stand über 50 Jahre im Dienst der Schweizerischen Bundesbahnen. Jetzt hat sie ausgedient. Ihre simple Mechanik, mit der je nach Heimatbahnhof des Knipsenden ein rundes, ovales oder dreieckiges Loch sowie die dreistellige Personalnummer ins Billett gestanzt wurden, entspricht nicht mehr den Bedürfnissen des Kundendienstes bei Billettrückerstattungen; der Kampf gegen Schummeleien mit simpel gelochten Fahrkarten bedeutete das Ende der Koller-Zange.

Dazu kam die Sache mit Europa: SBB-Zugbegleiter, die in Zügen bis München oder Innsbruck mitfahren, mussten bisher neben der schweizerischen noch eine deutsche Billettzange mitführen. An der Grenze wurde gewechselt – vom Modell SBB zur europakonformen Aluzange. Im Grenzverkehr aus der anderen Richtung zeigten sich die Bundesbahnen hingegen aufgeschlossen: Deutsche und österreichische Kondukteure durften auch in der Schweiz ihre Zangen benützen.

Eine neue Zange, und erst noch eine europakompatible, führt man nicht einfach so ein. Paolo Tappa, Chef des Zugpersonals im Tessin, hat die verschiedenen Zangen geprüft. Ein neues Modell des bisherigen Herstellers genügte den Anforderungen nicht, ein französisches Fabrikat hatte zu viele Plastikteile. «Nichts für uns», so das Urteil Tappas. Blieb am Schluss die Zange aus dem deutschen Hause Zifa, mit der die deutschen und österreichischen Zugbegleiter die Billette entwerten. Sie ist schwerer als das altgediente Modell, grösser, klobiger. In ihrem Innern verbirgt sich eine Walze mit neun Ziffern zum Einstellen von Datum und Zugnummer, die dann, sichtbar gemacht von einem Miniaturfarbband, samt Personalnummer und SBB-Logo aufs Billett gedruckt werden. Darunter stanzt ein Bolzen das altbekannte Loch, allerdings kleiner.

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40 Zugbegleiter haben das neue Werkzeug getestet, «mit allen Billetttypen», betont Tappa. Das Resultat: 53 Prozent fanden die Zifa-Zange «sehr gut», 22 Prozent notierten «gut», 20 Prozent «ziemlich gut». Ein «ungenügend» gabs bloss von fünf Prozent der Befragten. «Man wird sich dran gewöhnen», sagt Tappa. Aber seine alte Zange will er als Andenken behalten.