Sein letzter Zivilschutzeinsatz brachte den 33-jährigen Rafael Wunderlin aus Itingen BL in Rage. Er wurde aufgeboten, um an den Schweizer Meisterschaften im Vereinsturnen in Sissach mitzuhelfen. «Im Katastrophenfall habe ich nichts gegen Einsätze am Wochenende, doch dass man den Zivilschutz missbraucht, um ein Festchen durchzuführen, geht mir zu weit», sagt er.

Im Einsatz musste er in einer Turnhalle Matratzen auslegen. Am Abend dann bewachte er mit einem anderen Dienstleistenden bis spät in die Nacht eine Unterkunft. «Genau genommen zeigten wir den Turnern nur den Eingang, den sie auch ohne unsere Hilfe gefunden hätten», erinnert er sich.

Am nächsten Morgen hiess es antreten in aller Herrgottsfrühe, um erst einmal stundenlang einfach dazusitzen, zu warten, bis die Turner die Unterkunft verlassen hatten. Dann endlich durfte er die Unterkunft putzen - ausser die Toiletten. Dies sei nicht Aufgabe des Zivilschutzes, sei ihm gesagt worden. Dann wartete er wieder. Diesmal galt es die Zeit bis Mittag totzuschlagen, denn erst zu diesem Zeitpunkt war das Abtreten geplant.

Eine Ausbildung habe er im Zivilschutz nie absolviert. Trotzdem sei er gefragt worden, ob er nicht ins Kader wolle, sagt er. Er habe dankend abgelehnt. Nach dem Wochenendeinsatz gab es fünf Tage WK. Einem mehrtägigen Nothelferkurs folgte ein ausgedehnter Spaziergang im Wald. Als sich am letzten Tag seine Kollegen einen Film ansahen, hatte er dermassen genug vom Sitzen und Zuhören, dass er begann, die Unterkunft zu wischen, und schliesslich auch noch die Toiletten putzte - freiwillig.

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